12 Gründung des Philanthropins.
des Philanthropins gegeben, hatte ſich der ihm zugewandten Wohltaten als unwürdig erwieſen. Nachdem ihm im Juli bei der erſten öoffentlichen Prüfung in der Muuſterſchule in Gegenwart des Konſiſtoriums ein preis zuerkannt und er deshalb auch von den borſtehern des pPhilanthropins aus⸗ gezeichnet worden war, ſchlug er um und wurde übermütig. Es erwachte in ihm das Verlangen nach der Ungebundenheit ſeines früheren Vaganten⸗ lebens, er verhoͤhnte Geſetz und Ordnung, und es blieb zuletzt nichts übrig als ihn(im Oktober 1804) wegzuſchicken. Aber die übrigen 8 Knaben waren gut gediehen und hatten ſichtlich Sortſchritte gemacht, und man beſchloß das erſte Stiftungsfeſt des Philanthropins am 6. Januar 1805 vormittags 10 Uhr mit einer im Lokal des Philanthropins abzuhaltenden öffentlichen Prüfung zu feiern. Es wurden zu derſelben zwei der Herren Baumeiſter(Gemeindevorſtand), ferner die Dr. Dr. Goldſchmidt und Oppenheim, Mlagiſter Klitſcher und die Subſkribenten eingeladen.— Geſang eroffnete die Seier, es folgte eine Anſprache des jüngſten Hglings(er hieß Herz Aron Reinganum und war 8 Jahre alt) und dann die Prüfung im Schreiben, Rechnen, Deutſchen und Hebräiſchen. Die drei beſten Schüler erhielten Prämien. Dann wurde über die Aufnahme eines der ange⸗ meldeten Knaben durch das Los entſchieden. Als alles glücklich beendet war, wurden ſämtliche Soglinge nebſt den fleuaufgenommenen durch ein kleines Mittagsmahl erfreut. Abends vereinigten ſich„auf eigene Koſten“ der Vorſtand, der Ausſchuß und ſämtliche Beamten zu einem Seſtmahl, zu welchem die Herren Doktoren mit ihren Srauen als Ehrengäſte geladen waren. So wurde das erſte Stiftungsfeſt des Philanthropins würdig begangen. Die„frohen Lieder“, die bei dieſem Anlaß geſungen wurden, ſind ſpäter von Geiſenheimer geſammelt und zum Beſten des Inſtituts herausgegeben worden.
Acht, verſchiedenen Unterrichtsſtufen angehorige, Kinder von 8 bis 13 Jahren ſaßen, zu einer Klaſſe vereinigt, bei der erſten Prüfung des Philanthropins auf der Schulbank; es war die Prüfung einer in dem erſten Stadium der Ent— wickelung befindlichen Elementarſchule. Unter den Huhorern befand ſich ein Schulmann voll Einſicht, Würde und tiefer Religiofität, der Konrektor des hieſigen Gymnaſiums, Moſche. Er hat etwa ein Jahr ſpäter Anlaß genommen, ſich darüber in einer Weiſe zu äußern, die den ganzen Vorgang vergegenwärtigt. Er fagte:„Es iſt zwar beinahe ein Jahr, daß ich der erſten öffentlichen Prüfung in der Unterrichtsanſtalt der jüdiſchen Hation beigewohnt habe, allein es iſt mir noch jetzt alles ſehr lebendig, weil ich mich damals durch ſo vieles, was ich ſah und hörte, auf das innigſte gerührt fand. Der lebendige Eifer und die unermüdete Sorgfalt für ihre Anſtalt, welche ich überall bei den Vorſtehern wahrnahm, die große Ceilnahme, welche alle, und die verſtändige Teilnahme an der Prüfung, welche mehrere unter den Anweſenden ihrer Hation bewahrten, die Gründlichkeit an Kenntniſſen und die Geſchicklichkeit in der Methode, welche der Lehrer, der damals hauptſächlich auftrat, Herr LCevi, zeigte, und die Sort⸗ ſchritte der Schüler, welche für die kurze Zeit ihres Unterrichts ſehr bedeutend waren, dieſes alles war es, was mich ſo ſehr ergriff, und woran ich mich jetzt


