Gründung des Philanthropins. 11
die in Ausſicht genommene Mitwirkung der Subſſribenten bei der Wahl der⸗ ſelben und bei der Kontrolle der Ein⸗ und Ausgaben hingewieſen und zu einer Subſkription von mindeſtens 6 Kreuzer wochentlich auf mindeſtens 3 Jahre aufgefordert.„Jedes Kind unſerer verarmten, im guten Rufe ſtehenden Mit⸗ brüder, beſonders arme Waiſenkinder, haben ein Recht auf dieſe wohltätige Anſtalt. Wenn bei einer Rezeption mehrere ſich melden ſollten und man wegen der Beſchränktheit der Hahl nur einige davon aufzunehmen imſtande ſein wird, ſo ſoll nur allein das Los entſcheiden.“„Um baldmöglich mehrere Lehrer an⸗ ſtellen und zweckmäßigere Einrichtungen treffen zu können und um überhaupt die Anſtalt gemeinnützig zu machen, ſollen auch Kinder bemittelter Eltern gegen ein halbjährlich voraus zu bezahlendes Schulgeld von fl. 66 jährlich aufge⸗ nommen werden dürfen.“
Dieſer Proſpekt wurde in 800 Exemplaren verbreitet. Der Erfolg war ſehr günſtig: 260 Männer der hieſigen iſrael. Gemeinde verpflichteten ſich zu wöchent⸗ lichen Beiträgen, zunächſt auf 3 Jahre. Auch auswärtige Sreunde, denen die Be⸗ förderung der Kultur und Bildung unter ihren Glaubensgenoſſen am Herzen lag, ſubſkribierten oder ſandten einmalige Beiträge. Nunmehr wurde aus der Hahl der Subſſribenten eine Kommiſſion von 21 Mlitgliedern gewählt. Dieſe Kommiſſion trat auf Einladung der Vorſteher des philanthropins am 1. Juli 1804 zuſammen. Geiſenheimer erſtattete über alles bisher für die junge Anſtalt Geſchehene Bericht, die Protokolle der bis dahin abgehaltenen 12 Vorſtands⸗ ſitzungen wurden verleſen, die Rechnungsbücher nebſt Belegen wurden revidiert, die Bilanz geprüft. Die Kommiſſion ſpendete den raſtloſen und erfolgreichen Bemühungen ungeteilten Beifall, genehmigte die Rechnung und beſtätigte die Vorſteher in ihren Amtern. Um den auswärtigen Sreunden Dank und Anerkennung zu betätigen, wurde beſchloſſen, in HSukunft immer auch aus der Sahl der auswärtigen Subſkribenten ein Mitglied in die Kommiſſion zu wählen und zu ſechs hieſigen immer auch ein auswärtiges armes Kind aufzunehmen, dieſem aber immer ein hieſiges Gemeindemitglied als Kurator zu beſtellen, dem die Sürſorge insbeſondere in Sällen der Erkrankung des 5öglinges oblag.
Schon im Juli wurde wiederum ein Sögling aufgenommen. Es ſtellte ſich das Bedürfnis heraus, von den weiter angemeldeten Kindern wenigſtens 3 zu berückſichtigen, unter denen ſich ſchon ein zahlendes befand. Das eine Schul⸗ zimmer reichte nicht mehr aus, man mietete zwei Simmer im Römiſchen König in der Allerheiligengaſſe, die im November bezogen wurden. Der Lehrer Lambert, dem ſich eine andere ihm mehr zuſagende Cätigkeit darbot, trat zurück. An ſeiner Stelle wurde der hier ſchon längere Zeit als Privatlehrer in gutem Anſehen ſtehende Lehrer J. P. Cevi aus Srankfurt an der Oder angeſtellt. In ihm gewann das Philanthropin einen ungewöhnlich begabten und geſchickten Lehrer, der in den nächſten zwei Jahren durch ſeine Unterrichtserfolge zu dem Gedeihen und dem Anſehen der Anſtalt weſentlich beitrug.
Als das Jahr 1804 zu Ende ging, konnte man mit dem bis dahin Erreichten zufrieden ſein. Der Knabe freilich, der den Anlaß zur Gründung


