Aufsatz 
Geschichte der Realschule der israelitischen Gemeinde (Philanthropin) zu Frankfurt am Main 1804-1904. Von Direktor a.D. Dr. Hermann Baerwald und Dir. Salo Adler
Entstehung
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10 Gründung des Philanthropins.

feſt und ſorgten für deren Befolgung. Kein Schüler durfte ohne die Erlaubnis des Lehrers einen Spaziergang oder überhaupt einen Gang machen, auch nicht auf Anordnung des Vormundes oder der Eltern. Körperliche Süchtigung wurde unterſagt, Strafe und Lohn ſollten auf Weckung des Ehrgefühls abzielen. Ein Tadel ſollte in der Schülerliſte durch einen Strich, ein Lob durch einen Punkt vermerkt werden. Gehäufte, mit ſchwarzen Strichen eingetragene Tadel ſollten auf eine feierliche Art mit Schlägen auf den Singern durch den Lehrer oder durch einen Sögling im Beiſein der Vorſteher geahndet werden, während 20 Lobe einen roten punkt und 5 rote Punkte ein nützliches Buch als Prämie eintrugen. Der Beſuch der vorſteher war feſt geregelt, täglich ſollten 2 von ihnen in der Anſtalt erſcheinen, um nach dem Rechten zu ſehen.

Schon im Sebruar waren 8 neue Anmeldungen eingegangen, aber die Mittel reichten nur noch für 2 Söglinge aus, die dann Anfang April infolge einer Entſcheidung durch das Cos aufgenommen wurden. Da nun alles geordnet und die Anſtalt im Wachſen begriffen war, ſo ſchien es an der Seit, das Intereſſe für ſie durch einen gedruckten Proſpekt in weiteren Kreiſen anzuregen, um fortan bei der Aufnahme freiere Hand zu haben. Jeder der 4 Vorſteher übernahm es, das, was in dem Proſpekte mitzuteilen ſei, niederzuſchreiben. Dabei kam ein Gedanke zum Ausdruck, der für die fernere Entwickelung der Anſtalt von großer Bedeutung geworden iſt. Es ſollte im Proſpekt geſagt werden, daß auch Kinder bemittelter Eltern Aufnahme finden könnten. Das von dieſen zu zahlende hohe Schulgeld würde die innere und äußere Verbeſſerung der Anſtalt um ſo raſcher ermöglichen. Unter Benutzung des von den borſtehern nieder⸗ geſchriebenen Materials übernahm der hieſige Arzt Dr. Goldſchmidt, der, wie ſein Kollege Dr. Oppenheim, ſein Intereſſe für das Philanthropin bekundet hatte, die Redaktion, der Senator Brönner erbot ſich zur unentgeltlichen Drucklegung des Proſpekts, und ſo erſchien im Mai 1804 derProſpektus zu einem Philanthropin für arme Kinder jüdiſcher Nation.Noch nie, ſo beginnt der Proſpekt,iſt von der geſamten jüdiſchen Nlation allhier das Bedürfnis einer allgemeinen Schulanſtalt, worin beſonders die ärmere Klaſſe Anteil nehmen könne, lebhafter empfunden worden, als jetzt. Die Bemittelten der Hation ſuchen gegenwärtig hier immer mehr und mehr ihre Kinder durch Privatunterricht oder durch Unterbringung derſelben in koſtſpielige Cehr⸗ und ErziehungsAnſtalten für den Mangel einer bis jetzt noch fehlenden beſſeren Erziehungs⸗Anſtalt ſchadlos⸗ zu halten. Das Mangelhafte und Unzweckmäßige des bisherigen Unterrichts unſerer beſtehenden Mlittelſchulen wird alſo notwendig mit der Seit allein nur von den Kindern unbemittelter Eltern oder von armen Waiſenkindern gefühlt werden müſſen. Einige edeldenkende Jugendfreunde find daher aus unſerer Mitte zuſammengetreten, um mit nachdrücklichem Ernſt dieſe gefährliche Lücke auszufüllen. Das Reſultat ihrer Bemühungen fiel bis jetzt auf eine freiwillige Subſſrription zu einem wöchentlichen milden Beitrag aus.

Es wird ſodann auf die bereits beſtehende Anſtalt und deren notwendige Erweiterung und Vervollkommnung, auf die Grganiſation der Verwaltung und