Aufsatz 
Zu Platons Apologie und Kriton / Eduard Goebel
Entstehung
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7) sich selbst und seinen Freunden den Vorwurt der Feigheit zuziehe und Schmach und Schande bringe. ⁴)

II.(capp. VI— XV). Socrates untersucht gemeinsam mit Kriton die vorliegende Frage und gelangt zu dem Resultate, dass er nicht entfliehen dürfe. ⁵)

1. Verständigung über zwei Grundsätze, von denen bei der Beantwortung aus- zugehen sei(capp. VI— VIII).

a) Man hat nicht auf die Meinung der Menge, sondern überall nur auf die Einsichtigen und Sachverständigen Rücksicht zu nehmen, wie bei Fragen, welche das körperliche Wohl betreffen, so auch bei solchen, die sich auf das Wohl der Seele beziehen.

b) Nicht das Leben an sich ist als das Höchste zu betrachten, sondern glück- lich d. h. sittlich gut und gerecht zu leben.*⁴)

2. Hervorhebung des Kernpunktes der ganzen Frage:„Ist es gerecht, dass ich versuche von hier gegen den Willen der Athener zu entweichen, oder nicht?“(cap. IX.)

3. Beweis, dass es nicht gerecht sei, in Form eines ausgeführten Syllogismus (capp. X— XIV).

a) Obersatz(cap. X). Zwei unumstöszliche ethische Prinzipien sind folgende:

a.) Man darf in keinem Falle jemand freiwillig ein Unrecht zufügen, auch nicht Unrecht mit Unrecht vergelten;

6) Ein gegebenes Versprechen, vorausgesetzt dass es an sich gerecht ist, muss man halten.*)

b) Untersatz(capp. XI—XIV). Wenn aber Socrates gegen den Willen des athenischen Staates aus dem Gefängnisse entweicht, so würde er gegen diese beiden sittlichen Grundsätze sich gröblich versündigen, da er

*.) gegen die Gesetze und den Staat, seine gröszten Wohlthäter, durch Ungehorsam und Undank das schwerste Unrecht begehen(capp. XI u. XII) und

86) das den Gesetzen und dem Staate gegebene Versprechen und den mit denselben eingegangenen Vertrag nicht halten würde(capp. XIII und XIV).

4. Widerlegung der von Kriton(capp. IV u. V) vorgebrachten(praktischen) Gründe (cap. XV). ³)— Socrates würde auch, wenn er dennoch die ungerechte Hand- lung begehen wollte, keineswegs für sich und die Seinigen gut und fürsorglich handeln ⁹); denn

a) die Freunde werden offenbar in Gefahr und Schaden kommen;

b) Socrates selbst würde kein seiner würdiges Los haben, weder wenn er nach einem Staate mit guten Gesetzen ginge, wie Theben und Megara,

noch wenn er in einen Staat wie Thessalien sich begiebt, wo Gesetzlosig- keit herrscht;