dem Wege wird er misshandelt von Melanthios, der als Typus der Untreue das Gegenstück zu Eumaios bildet. Eine neue Erkennung bildet die durch den treuen Hund Argos. Im Palaste prüft Odysseus die Freier. Antinoos, der sich in seiner ganzen Herzlosigkeit zeigt, wirft den bettelnden Odysseus mit einem Schemel(Steigerung der νρ☚οεσ, die sich jetzt gegen den Heim- kehrenden selbst richtet). Den Schluss, der die Vorbereitungen auf das Zusammentreffen des Odysseus mit Penelope enthält, kann man überschlagen; gelesen wird also v. 1 51 und 182- 491.
Gesang XVIII 1— 107 der Zweikampf zwischen Iros und Odysseus bildet nach Frick ¹) den Anfang in der Reihe der Kampfszenen; doch ist er für den Gang der Handlung nicht von Bedeutung. Nach Herman Grimmsse) ansprechender Hypothese ist die Gestalt des Iros. ähnlich wie in der Ilias die des Thersites, hier eingeführt, um den Bettler Odysseus durch die Gegenüber- stellung dieser abstossenden Figur wiéder zu heben. Aber ich glaube doch, selbst für die meisten Erwachsenen bleibt er der König auch in Bettlergestalt, und—„die Kinder, sie hören es gerne“. Da sich in der Szene auch noch Züge grosser Roheit finden, so möchte ich sie ganz von der Lektüre ausschliessen, dagegen als versöhnenden Zug in dem düsteren Gemälde von Rache aufnehmen die Warnung des Amphinomos v. 119—157. Auch das Erscheinen der Pene- lope im Männersaal pflege ich zu überschlagen. Der v. 160— 163 angegebene Zweck ist un- nötig, und dass sie sich durch falsche Vorspiegelungen Geschenke erwirbt und Odysseus sich sehr darüber freut, berührt unsympathisch. Es finden sich so schon genug Stellen, die uns wegen der weitgehenden Wertschätzung von Hab und Gut(so besonders der Wert, der auf das Er- halten vieler und kostbarer Gastgeschenke gelegt wird) nicht gerade angenehm berühren, ob- wohl wir hierin nur den Ausdruck der Naivetät der homerischen Menschen zu erblicken haben und auch heute noch in den Anschauungen der unteren Stände Khnliches finden können. Auch die Beleidigung des Odysseus durch Melantho kann wegbleiben, da diese in Gesang 19 und 20 hinreichend als ungetreue Dienerin(Gegensatz zu Eurykleia wie Melanthios zu Eumaios) gezeichnet ist. Es pliebe also zur Lektüre nur noch v. 346—428 der Wurf des Eurymachos (6οις), wiewohl auch dieser nur eine Wiederholung des Wurfes des Antinoos ist.
Gesang XIX wird fast vollständig gelesen. Das Wegbringen der Waffen macht die Freier wehrlos, ist also eine direkte Vorbereitung auf den Freiermord. Die Erzählung der Penelope erweckt in Odysseus die Uberzeugung, dass diese dem Drängen der Freier nicht länger widerstehen kann, dass er also jetzt handeln muss. Ebenso wie Eumaios wird Penelope all- mählich, aber wirkungsvoll auf das Ercheinen ihres Gatten vorbereitet. Die Fusswaschung führt zu einer neuen dναꝓνάνναᷣ und zur Gewinnung eines weiteren Bundesgenossen. Die Geschichte der Narbe v. 394— 466 kann man überschlagen, aber charakteristisch für die epische Breite der Erzählung ist es, dass der Dichter in diesem spannenden Momente Zeit hat zu einer so weiten Abschweifung. Zugleich ist diese aber auch ein dichterisches Kunstmittel, um der momentanen Handlung der Erkennung gewissermassen Dauer zu verleihen und sie dadurch stärker hervorzuheben. Ebenso wird in Ilias I 234—239, wo Achill zürnend bei seinem Szepter schwört, die Achäer büssen zu lassen für den Frevel des Agamemnon, diesem Momente des höchsten Zornes durch die Erzählung der Geschichte des Szepters Dauer verlichen. ³)— Ein Traum bestärkt Penelope in ihrer Hoffnung und treibt zugleich den Odysseus zum Handeln, das die Ankündigung des Bogenwettkampfes in Kürze nötig macht.
In Gesang XX(v. 1—30 fällt weg) bestärken neue Wunderzeichen die Hoffnung der Penelope und den. Mut des Odysseus(v. 66—79 und 121—184 bleiben weg). Dieser lernt
¹) Rohmaterialien etc.; Lehrpr. 8. ²) Deutsche Rundschau, 16. Jahrg. 1890, Heft 8.„Homer's Ilias“ S. 213. ³) Herman Grimm, Deutsche Rundschau a. a. O. Heft 2. S. 253.


