Aufsatz 
Dr. Carl Kühner : (Direktor der Musterschule Dezember 1851 bis Ostern 1867) ; ein Lebensbild
Entstehung
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und der correkten Geſchicklichkeit der Hand; im Anſchluſſe daran die Lehre vom Schatten mit prägnanten Beiſpielen zum Nachzeichnen; dazu theoretiſche Betrachtungen und Uebungen zum Baumſchlagzeichnen. Alles dieſes in knapper, unterhaltender und leichtfaßlicher Form.

b. Praktiſche Ausübung dieſer Theorien der Natur gegenüber; Zeichnen nach vielfach geformten Holzkörpern; ſteigende Schwierigkeit im Nachzeichnen in Bezug auf deren Zuſammenſetzung und complicirtere Form.

c. Zur freieren Ausbildung der Hand: Zeichnen nach guten Vorlagen in den ſich bietenden Pauſen.

I. Klaſſe P': Fortbildung des Auges zur genaueren Erfaſſung feinerer Formen in der Natur. Zeichnen nach Gypsabgüſſen. Den Neigungen entſprechend entweder Ornamentik, Blumen oder Früchte, oder Geſichtstheile als Vorbereitung zum Zeichnen von Köpfen. Erſtere in ſteigender Schwierigkeit, letztere Richtung allmählich zu Köpfen übergehend. Bei den Ornamenten Charakteriſtik der verſchiedenen Stylarten. Einflechtung kunſt⸗ geſchichtlicher Betrachtungen und dazwiſchen Zeichnen nach Vorlagen bedeutenderer Aus⸗ führung in techniſcher Beziehung.

I'*. Zeichnen nach Gypsabgüſſen größerer Büſten und ganzer Statuen nach der Antike oder modernen Meiſtern mit beſonderer Berückſichtigung der Erreichung einer ſchönen Bildform beim Zeichnen. Dabei im Sommerſemeſter Studien⸗Ausflüge zum Zeichnen von ganzen Landſchaften und Architekturſtücken nach der Natur. Dazwiſchen zur immer mehr ſteigen⸗ den Weiterbildung der Hand Copiren nach Vorlagen verſchiedenen Genres und vollen⸗ detſter Ausführung.

Selekta. Fortſetzung des Naturzeichnens, Aquarellſtudien, Portraitzeichnen und Anfertigung naturwiſſenſchaftlicher Zeichnungen von ſolchen Schülerinnen, die ſich etwa ſolchen Stu⸗ dien widmen wollen.

Hermann Junker.

Die leitenden Grundſätze dabei ſind folgende:

1. Die Erlernung der Zeichenkunſt iſt nicht allein dem mit Talent begabten Schüler möglich,

ſondern wie die verſchiedenen Fachwiſſenſchaften jedem mit gutem Willen ausgeſtatteten Schüler.

2. Das Zeichnenlernen beruht weſentlich auf richtigem Sehen d. h. auf einer Einſicht in die Geſetze des Sehens und der auf dieſelben gegründeten Erſcheinung der Gegenſtände für unſer Auge. 3. Wer dieſe Einſicht erlangt, wird auch Gegenſtände nach der Natur zeichnen lernen.

4. In dieſem Verſtändniſſe der Formenwelt liegt aber zugleich auch ein wichtiges äſthetiſches

Bildungselement, das bei Schätzung und Verſtändniß der Kunſtwerke in Betracht kommt.

5. Die Aufgabe des Zeichenunterrichts iſt es nun, dieſe Geſetze in gedrängter, aber zugleich

erſchöpfender Form dem Schüler zur Anſchauung und zum Verſtändniß zu bringen.

6. Zugleich hat der Zeichenunterricht aber auch die Aufgabe, dem Schüler techniſche Fertigkeit

zu verſchaffen.

7. Zu vollſtändiger Erreichung des Zieles iſt allerdings ein ordentlich eingerichteter Zeichenſaal

nöthig, in welchem zugleich durch Aufſtellung guter Kunſtwerke der Geſchmack des Schülers gebildet, das Auge an ſchöne Formen gewöhnt wird.