Aufsatz 
Immanente Parallelbehandlung des Goethe- und Schiller-Stoffes in Oberprima / Ludwig Schaedel
Entstehung
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Jugend⸗ dramen.

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dieſen Lebensabſchnitt der Minorſchen Biographie zu danken, trotz angenehm geſchriebener moderner Werke. Er hat auch den ſchwermütigen Todeszug der Schillerſchen Jugendlyrik am ſchärfſten charakteriſiert und aus den trüben Erfahrungen des jungen Mediziners hergeleitet. Wie blendend ſteht daneben der lebensfriſche, hinreißende, ja berückende Genius,„der alles wollen kann“, um ſein ſpäteres Wort zu gebrauchen.

Eine auch nur relativ gleich eingehende Betrachtung wie Goethes verdienen Schillers Jugend⸗ gedichte, ſelbſt in ihrer jetzigen, redigierten Form nicht. Es iſt hinreichend, ſie ſtofflich zu klaſſifi⸗ zieren, um zu erkennen, welchen„poetiſchen“ Intereſſen Schiller zugewendet war(kosmiſche, medizi⸗ niſche, hiſtoriſche ꝛc.), oder doch in den Kernſtrophen ſie gemeinſam zu leſen. Viele ſind durchaus wie nach einer Vorlage von Schubart, Klopſtock, aber auch von Hölty, ja von Claudius gearbeitet. Man mache auf Schillers Gefühl für den Rythmus aufmerkſam, das bei andren Ungeſchicklichkeiten des jungen Dichters doch unverkennbar hervortritt. Vergleichende Geſichtspunkte: Während Schiller die„Größe der Welt“ rein phyſikaliſch ſchildert, Goethe dagegen ihre konkrete Lebens⸗ fülle(„Sturmlied“,„auf dem See“), hat Schiller denſelben Gedanken, Liebe ſei Selbſtverzehrung, in der Melancholie an Laura großartig entfaltet, den Goethe in mehreren Leipziger Liedern nur hygieniſch, frivol antippt. Schiller durchweg philoſophiſch, Goethe äſthetiſch. Dagegen ſteht „Glück und Weisheit“,„An einen Moraliſten“ etwa auf der flachen Höhe der Leipziger Lieder. Man vergleiche auch:„An Minna“ und„Lilis Park“; Schillers„Blumen“ mit„kleine Blumen, kleine Blätter“, beide von gleicher Pointe. Vorteilhaft zeigt ſich die Natur des wahren Ge⸗ legenheitsgedichtes in„wie herrlich leuchtet“ neben Schillers abſtraktem„Frühling“. Die Todesgedichte des einen, die blühende Lebensfülle des andern: aber Goethe ſitzt— deo minor— an ſo reicher Tafel, daß einem bange wird für das Weitere; Schiller kann entſagen, und entſagt, orbe major. Und doch, der kränkelnde geniale Mediziner in engen Verhältniſſen, dem ſelbſt die Liebe nur peinigend und reizend, nie beglückend erſcheint, hat vielleicht ebenſoviel Anſprüche auf unſere Bewunderung, unſere Hoffnung.

Das ganze Loos der jungen Dichter ſpricht ſich aus in dieſen Jugendgedichten— oder es ſchweigt ſich ergreifend darin aus. Bei Schiller: Satire, die dem glücklichen Goethe abſolut fern liegt(außer in Gelegenheitsſcherzen), Trauer um die Inkongruenz des Lebens, Sinn für das Erhabene und Rieſige, das Goethe ſtets poetiſch unzulänglich erſchien. Aber bei dieſem können wir hier noch nicht wiſſen, ob das Kind des Glücks nicht in Egoismus ver⸗ derben wird, während der edle Hochflug, das Geſinnungswahre in Schillers Gedichten, ſich vielleicht in die Wolken verlieren kann, aber keinen Abſturz in die Materie fürchten läßt.

Hier tritt Schiller mit ungleich größerem Schwergewicht auf das Feld der Betrachtung; denn die Schule kann mit den ſo reichen Anſätzen und bloßen Verſuchen Goethes in der Frankfurter Schlußperiode doch nicht rechnen. Wenn man nun aus dem köſtlichen„Satyros“ einzelne Stücke geben wird, auch die prächtige Eingangsſcene der ſonſt recht ſchwachen Dichtung „Erwin und Elmire“, über weibliche Erziehung, ſelbſt in der jetzigen Faſſung wenig beeinträchtigt, und in Goethes friſcheſtem Naturſtil geſchrieben; ſo ſind dagegen Dichtungen wie Ahasver, Pater Bray, Fragment Mahomed ꝛc. mehr für die Biographie von Belang. Goethes Jugendſchwärmerei für Hans Sachs laſſen wir vollends auf ſich beruhen; der jetzige Geſchmack kann ſich trotz Goethes Drohwort nicht ehrlich mit dieſen derben und doch faden Sachen befreunden. Hans Sachs war nun einmal ungleich mehr Schuhmacher als gottbegeiſterter Dichter, und Goethes Sachskenntnis hat ſich weder weit noch tief erſtreckt.

So bleiben zunächſt Goetz und die Räuber für die Vergleichung. Daß die„Freiheit“ die beherrſchende Idee in allen Dichtungen Schillers geweſen ſei, aber in verſchiedenen Epochen