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Uber die Art, wie die Arzte ihre Kunst ausüben, erfahren wir nur wenig. Vor allem wird das Blut gestillt und dem Kranken Luft zugefächelt, um ihm Linderung zu verschaffen ¹). Die Wunde wird mit seidener Binde(siglaton) verbunden ²). Man versteht es auch schon, fehlende Gliedmassen durch künstliche zu ersetzen. Raoul sieht voraus, dass Rocoul ein Bein aus Holz tragen werde*), an Stelle desjenigen, das ihm abgehauen worden ist. Die Kunst der Chirurgen scheint demnach zu jener Zeit auf einer keineswegs niederen Stufe gestanden zu haben. Die Chirurgie ist ja auch thatsächlich weit früher — schon im 11. Jahrhundert— zur Entwicklung gekommen, als die im Mittelalter von ihr getrennte innere Medizin(S. Haeser: Geschichte der Medizin. Jena 1875 Bd. I. p. 753).
2. Wenig Vertrauen flösst der Arzt ein, der nach Abbeville kommt und ausrufen lässt, er heile Gicht und Lähmung in der kürzesten Zeit¹). Er gibt Lutice, um sie vor ihrem Gemahl zu schützen, eine heilkräftige Wurzel?²). Wir haben es hier mit einem der Charlatane zu thun, die auf den Strassen ihre Mittel feilhielten. Das Volk nahm gerne ihre Zuflucht zu ihnen, so dass die Pariser Fakultät bald gegen sie ankämpfen musste, da ihr Unwesen immer mehr Überhand nahm.
3. Herchanbaut fragt den Pilger(V. 7260), ob er nicht zu Montpellier von einem Heilmittel gehört habe, das seine
¹) Plaies ont grans, ne finent de saignier. Li mire vienent, si les font estanchier. Et les esventent por lor cors refroidier, Puis les menerent ens el palais cochier,.II. riches lis fisent apariller. 5126.— ²) L'enfes B. a la chiere menbrée. D'un siglaton a sa teste bendée. 1799. L'enfes B. a la chiere hardie Son chief benda d'ue bende de sie 5262.— ³) E. ert mans, ot vos voi eschacier. 2928.— ⁴) Es vous j. mie par la ville qui vint; Molt hautemeut a escrier c'est pris:„Avroit il ja dame que Dieu feist, Qui eüst ja goute ne palacin? En molt poi d'eure l'an avroie garit!“ 6850.— ⁵)„Dame, dist il, de cel autre pais; Et si pors ci tel racine avuec mi, Diex ne fist dame, tant eüst son marit, C'elle voloit, que jamais li fesit.“ 6859.


