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dige war auſſerdem mit ſtarken Zuͤgen des Wohlwollens, der Huma⸗ nitaͤt, des unerſchuͤtterlichen Pflichtgefuͤhls verwebt. Gebildet durch den Umgang mit edlen Maͤnnern und Schriften, trug er ſchon fruͤhe den feſteren Sinn in ſeine ſchwankende Neigung; dadurch wurde ſein Charakter aufrichtig und ſchleierlos, und wegen der feſten Haltung, welche er demſelben gegeben, war es nicht ſchwer, ihn aus ſeinen Handlungen herauszufinden. Rege Thaͤtigkeit vereinte in ihm das Streben nach Kenntniß und aͤuſſerer Bildung, unterſchied ihn ſehr ſichtlich von vielen andern ſtudierenden Juͤnglingen, die nach Ver⸗ ſchwendung der koſtbarſten Jahre, verwahrloſt an Geiſt und Koͤrper in den Schoos ihrer Familie zuruͤckkehren.
Ein ſolcher Charakter bildete auch den treuen, unwandelbaren Freund, welcher Sinn hat fuͤr heilige Liebe, deſſen ſanftgeſtimmtes Herz bey dem Wohl ſeiner Freunde ſich erweiterte, und deſſen Gefuͤhl bey ihrem Leiden und Tod in jene theilnehmende Wehmuth ſich ergoß, deren nur ſchoͤne Herzen faͤhig ſind.
Eitelkeit, dieſe traute Geleiterin beſonders hiſtoriſcher Gelehrten, ſoll ein hervorſtechender Zug ſeines Charakters geweſen ſeyn; allein man verwechſelte damit jenes edle Selbſtgefuͤhl innerer Wuͤrde(wel⸗
ches freylich manchem evacuirten Kopf, der dadurch in ſeine beſchraͤnkte Sphaͤre ſich zuruͤckgewieſen fand, nicht behagte!) aber gewiß! wer ihn genauer kannte, fand ihn anſpruchlos und nicht berauſcht von eignem Wiſſen. Selbſt jene Beſcheidenheit der meiſten Philologen, ihre Kenntniſſe vor Andern paradiren zu laſſen, beſaß er nur wenig.
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