Aufsatz 
Die Fabeln des Phaedrus in der Quarta des Gymnasiums innerhalb der Konzentration / von Karl Maurer
Entstehung
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Art poetischer und didaktischer Erzählung. Das richtige Skandieren des Senars werds Schüler bei methodischer Anleitung nicht so schwer. Einige Referenten berufen sich aue darauf, daſs die Schüler erfahrungsmäſsig die Fabeln gern läsen. In ähnlichem Sinne spricht sich der Referent der IX. Direktoren-Versammlung Pommern 1885, Director Schirlitz, aus: ¹ Die poetische Lektüre in IV. sei notwendig, die Verkürzung der Zeit treffe für IV. nicht zu, und die poetische Lektüre biete die erwünschte Abwechslung; die metrischen Schwierigkeiten des Senars schlage er nicht so hoch an als von einigen Seiten geschehe. ² Ebenso hält der Korreferent, Rektor Becker, ³ Phaedrus für höchst wünschenswert:Der Inhalt werde allseitig als trefflich und für die Knaben in hohem Grade ansprechend und passend anerkannt, selbst in den beiden Gutachten, welche die Quartaner mit poetischer Lektüre lieber verschont sehen möchten. Schlieſslich hat auch Eckstein, der früher wegen des in IV. neu auftretenden Griechischen und der Mathematik sowie der Lektüre des ersten Prosaikers ein Gegner der Dichterlektüre ge- wesen, nach dem Beginn des Griechischen in U. III. kein Bedenken mehr gegen Phaedrus.

Allen Aeusserungen gegen die Phaedruslektüre liegt die Furcht vor formellen Schwierig- keiten sowie das Bedenken zu Grunde, die grammatische Weiterbildung der Schüler werde darunter notleiden, und dies sei um so mehr zu befürchten, da die Stundenzahl des Latein gegen früher um eine Stunde verkürzt worden sei. Die Freunde des Phaedrus weisen dagegen meist auf den Wert der Fabel selbst hin. Nun verlangt man aber von einem jeden Lehrstoffe, dals er gleichmäfsig erziehlich und bildend wirke. Zu diesem Zwecke darf er weder eine einseitig formelle noch einseitig inhaltliche Behandlung erfahren. Es ist nun die Frage, ob sich nicht auf methodischem Wege diese Schwierigkeiten heben lassen, sodaſs der von vielen Seiten anerkannte, in den Fabeln liegende didaktische Wert zur Geltung kommen kann, ohne daſs der Unterricht den von den Gegnern angegebenen Gefahren anheimtällt.

Die Gegner des Phaedrus weisen vor allem auf den Mangel an Zeit hin. Eckstein? und Schirlitz 6 betonen jedoch mit Recht, daſs dieser Einwand nicht stichhalte; und im Groſsherzog- tum Hessen ist das Latein in IV. sogar nur mit 8 Unterrichtsstunden ausgestattet, ohne daſs durch die Behandlung des Phaedrus eine Schädigung in dem oben angegebenen Sinne entstünde. Aber, entgegnet man, der Einprägung der syntaktischen Regeln darf keine Zeit entzogen werden. Gewiſs nicht; indessen wird man bei Beschränkung des grammatischen Lehrstoffes auf das wirklich Notwendige? die eine verlorene Stunde leicht entbehren können. Allerdings bedarf man zu diesem Zwecke einer Normalgrammatik, in welcher der Lehrstoff sorgfältig auf die verschiedenen Klassen verteilt ist. Unter Benutzung solcher Normalgrammatiken, die unter Leitung des Herrn Geh. Oberschulrat Schiller in Gieſsen sowie unter der des Herrn Direktor O. Frick, einst in Burg, aufgestellt worden sind, hat alsdann Dr. Friedrich Holzweiſsig in seiner Lat. Schulgrammatik s im Hinblick auf das Pensum der Quarta alle Anmerkungen der Ellendt-

¹1 p. 220. ² p. 221. 3 p. 252. 4 Lat. u. griech. Unterricht p. 278. 5 Lat. u. griech. Unterr. p. 278. 6 IX. Dir.-Vers. Pomm. p. 220. 7 Vergl. H. Schiller, Die einheitliche Gestaltung und Vereinfachung des Gymnasialunterrichts unter Voraus- setzung der bestehenden Lehrverfassung, Halle a. S. 1890 p. 60 und 88. s Dr. Priedr. Holzweiſsig, Lat. Schulgrammatik in kurzer übersichtlicher Fassung und mit besonderer Be-

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