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aus. Es ist ferner bekannt, dass in wasserreichen Gegenden die Monokotyledonen auch in der temperirten Zone einen grösseren Theil der Flora ausmachen, als in trockneren Länderstrichen. Holland z. B. hat nach Miquel ¹) 1210 Phanerogamen, darunter sind 305 Monokotyledonen und 905 Dikotyledonen; in Rheinpreussen findet man nach Wirtgen ²) 1480 Phanerogamen, nämlich 334 Monokotyledonen und 1145 Dikotyledonen. In Holland machen hiernach die Monokotyledonen 25 Procent aus, in Rheinpreussen nur 22.
Es wäre hiernach zu erwarten, dass ein mit Sümpfen und stehenden Gewässern oder langsam fliessenden seichten Flüssen bedecktes Land eine überwiegend grosse Zahl von monokotyledonischen Gewächsen hervorbringen würde. Ich habe daher für unsere Gegend alle in Wasser und Sümpfen und nassem Torfboden wachsenden pflanzen zusammengestellt, und dabei die Vermuthung bestätigt gefunden, dass die Monokotyledonen in überwiegender Menge den feuchten und nassen Boden bewohnen, denn unter 214 Sumpf- und Wasserpflanzen sind nur 106 Di- kotyledonen, die übrigen 108 gehören der anderen grossen Abtheilung des Pflanzen- reichs an; während in der Gesammtflora also viermal mehr Dikotyledonen sind als einsamenlappige Gewächse, stellen sich beide Klassen hier gleich an Zahl dar, d. h. es giebt auf dem in Rede stehenden Boden bei uns ungefähr viermal mehr Mono- kotyledonen als auf trockenem Boden. Dasselbe habe ich auch in der Flora von Lappland gefunden. Hier giebt es 144 Sumpf- und Wasserpflanzen, darunter sind 75 Monokotyledonen und nur 69 Dikotyledonen, während unter den 496 Phanero- gamen das Verhältniss der genannten Klassen nahe 1:3 ist. Es verdient wohl er- wähnt zu werden, dass von diesen 144 Pflanzen 87 auch bei uns vorkommen, und dass 49 davon Monokotyledonen sind, deren Verbreitung also auch hier sich weiter zeigt als bei Dikotyledonen, was bei niedrigeren Formen gewöhnlich der Fall ist. Das Ergebniss dieser Vergleichung liefert einen entschiedenen Beweis für einen wichtigen geologischen Gegenstand, dass die in den ältesten Schichten der Erde begrabenen hauptsächlich aus cryptogamischen Geſässpflanzen und Monokotyledonen bestehenden Pflanzenreste die Flora sumpfiger niedriger Länder oder Inseln in hoch erwärmten Erdstrichen ausgemacht haben, was auch in der gleichzeitig untergegangenen Fauna eine mächtige Stütze findet.
Grade ein den Sumpfpflanzen entgegengesetztes Verhalten zeigen die auf trocknem Sandboden sich findenden Gewächse. Wir haben 80 Sandpflanzen, von denen 59 Dikotyledonen sind, also nahe dreimal so viel als die übrigen 21. Aehn- lich verhält es sich wieder in Lappland, wo 15 Sandpflanzen vorkommen, von denen 10 zu den Dikotyledonen gehören. Nehmen wir an, dass es nur Sand und Sumpf-
¹) Wiegmann's Archiv für Naturgeschichte, V. 144. ²) Ebendaselbst.


