Aufsatz 
Erinnerungen an J. J. Winckelmann / von [Adolf] Krech
Entstehung
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um von da über Holland, England und Frankreich nach Rom zurückzukehren. Eine grosse Unruhe ergriff ihn, als er durch die Alpen nach Tyrol gekommen war, und die Himmel anstrebenden Gebirge, die auf der Hinreise einen so tiefen Eindruck in ihm zurückgelassen hatte, erfüllten ihn eben so mit Schrecken, als ihm die Häuser mit den spitz zulaufenden Dächern, zwischen welchen er gross geworden war, als abgeschmackt in ihrer Bauart vorkamen. Die innere Angst nahm zu, je mehr er sich dem Norden näherte und konnte nicht durch des Freundes Vorstellungen und den ehrenvollen Empfang, der ihm in München und Wien zu Theil wurde, gehoben wer- den. Er erkrankte in der letztern Stadt und musste nach Italien zurückkehren, dem auch sein Körper angehörte. Als er sich in Triest nach Ancona einschiffen wollte, wurde er dort meuchlings angegriffen und starb mit noch ungeschwächter Kraft des Geistes an den Folgen der erhaltenen Wunden.

Wenn man dem würdigsten Staatsbürger gewöhnlich nur einmal zum Grabe läutet, er mag sich übrigens noch so sehr um Land und Stadt, im Grossen oder Klei- nen verdient gemacht haben; so finden sich dagegen gewisse Personen, die durch Stiftungen sich dergestalt empfehlen, dass ihnen Jahresfeste gefeiert werden, an de- nen der immerwährende Genuss ihrer Milde gepriesen wird.

In diesem Sinn haben wir alle Ursache das Andenken solcher Männer, deren Geist uns unerschöpfliche Stiftungen bereitet, auch von Zeit zu Zeit wieder zu feyern und ihnen ein wohlgemeintes Opfer darzubringen.

Als ein solches wohlgemeintes Opfer wollen die gegenwärtigen Erinnerungen an- geschen sein, zu welchen die hundertjährige Feier der Aufnahme Winckelmanns in das Köllnische Gymnasium die nächste Veranlassung gaben. Sie sind zum Theil aus seinen Briefen, zum Theil aus seinen übrigen Werken genommen, und weniger be- stimmt, den Mann zu loben, als seine Persönlichkeit zu zeigen.

Berlin, den 18. März 1835.

A. Krech.