Die nachſtehende Arbeit iſt ein Verſuch, den Phaedrus des Plato dem Privatfleiße des Schülers zugänglich zu machen, ihn für die Privatlektüre zurecht zu legen. Der Schüler der Prima lieſt während des zweijährigen Curſus gewöhnlich nur zwei griechiſche Proſaiker und doch bleibt es gewiß wünſchenswerth, daß er wenigſtens drei, den Hiſtoriker Thukydides, den Redner Demoſthenes und den Philoſophen Plato kennen gelernt habe, die drei, welche unter den Proſaikern die erſte Stelle einnehmen. Jede Privatlektüre nun iſt, dünkt mich, nur dann erfolgreich, wenn ſie vom Lehrer ſtreng überwacht wird und wenn durch dieſelbe der Schüler zugleich in den Geiſt des zu leſenden Schriftſtellers einigermaßen eingeführt wird. In Bezug auf die Dichter iſt nun da dem Schüler nicht ſchwer zu helfen. Wenn er neben dem Homer auch nur den Sophokles in der Schule lieſt, ſo wird ihm die Lektüre des einen oder anderen Euripideiſchen Stückes, zumal, wenn der Lehrer daſſelbe zum Ver⸗ gleich mit dem Stücke des Sophokles, welches grade geleſen wird, heranzieht, kaum Schwierigkeiten bereiten und in einigen Stunden— etwa in je einer jeden Monat— läßt ſich ſein Privatſtudium auch leicht controliren. Daſſelbe gilt von den griechiſchen Lyrikern: die Chorlieder des Dramas haben ihn mit der griechiſchen Lyrik bereits bekannt gemacht und die Lektüre des Horaz und einiger deutſcher Dichter, zumal des Klopſtock, kommen ihm zu Statten. Anders ſtellt ſich die Sache bei der Privatlectüre des Thukydides, des Demoſthenes, des Plato. Der Primaner wird zwar ein kleineres Geſpräch des Plato, eine leichtere Rede des Demoſthenes, viel⸗ leicht auch wohl ein Buch des Thukydides dem Wortlaute nach durch eigene Kraft verſtehen lernen; ob er aber in den Geiſt eines dieſer Schriftſteller ohne Leitung des Lehrers wird eindringen können, ich wenigſtens möchte das bezweifeln. Ein paar Stunden, wie für die Lectüre des Euripides oder der Lyriker, genügen auch nicht um einigermaßen in das Verſtändniß eines der drei Proſaiker einzuführen. Wie gelangt man nun zu dieſem Ziele? Die Antwort auf dieſe Frage ſcheint leicht zu ſein: Man erſetzt dem Schüler durch einen Commentar den Vortrag des Lehrers. Den Verſuch dazu habe ich denn auch in der vorliegenden Arbeit gemacht. Dabei habe ich aber nicht das wiederholen zu müſſen geglaubt, was Erklärer des Phaedrus, wie etwa Stallbaum, ſchon
geboten haben; denn die eine oder andre Ausgabe des Phaedrus kann man neben meinem Commentar dem 1
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