Aufsatz 
Die Strauch- und Blattflechten von Hessen, besonders von Rheinhessen : Ein Beitrag zur Flechtenflora / von Wilhelm Bremme
Entstehung
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flechten(lichenes ceryoblasti Kbr.); oder er bildet blattartige, am Rande verſchieden gelappte, mehr oder weniger flache Aus⸗ breitungen: Blattflechten(lichenes phylloblasti, Kbr.); oder end⸗ lich er erhebt ſich ſtrauchartig von ſeiner Unterlage: Strauchflechten (lichenes thamnoblasti, Kbr.)

In der folgenden Abhandlung ſind nur die Strauch⸗ und Blattflechten berückſichtigt worden. Zum leichtern Verſtändnis der⸗ ſelben und der Kürze wegen ſchicke ich die wichtigſten terminologiſchen und morphologiſchen Verhältniſſe voraus.

Der Thallus.

Auf den Durchſchnitt zeigt der Thallus der Flechten ent⸗ weder drei von einander verſchiedene Gewebſchichten: eine mittlere (z. B. bei Usnea, Sphaerophoros) oder untere(bei den band⸗ artigen Strauchflechten und den meiſten Blattflechten), aus feinem Fadengewebe beſtehende Markſchicht(stratum medullare), eine äußere oder obere aus parenchymatiſchen, polyedriſchen Zellen be⸗ ſtehende Rindenſchicht(tratum corticale) und zwiſchen beiden eine aus Gonidien d. h. aus rundlichen, durch Chlorophyll ge⸗ färbten Zellen zuſammengeſetzte Brut⸗ oder Gonidienſchicht(stra- tum gonimon). Ein ſolches Lager nennt man ein mehrſchichtiges Lager(thallus heteromericus) und die Flechten mit einem mehr⸗ ſchichtigen oder geſchichteten Lager heteromeriſche Flechten(lichenes heteromerici, Wallr.) Oder aber der Thallus zeigt auf dem Durchſchnitt eine überall homogen erſcheinende, waſſerhelle Subſtanz von gallertartiger Konſiſtenz, welche von feinen Fäden durchzogen iſt, und worin die Gonodien entweder perlſchnurartig oder zerſtreut eingebettet liegen. Ein ſolches Lager nennt man einſchichtig oder unge⸗ ſchichtet(thallus homoeomericus) und die Flechten mit einem ſolchen Lager homöomeriſche Flechten(lichenes homoeomerici, Wallr.).

Das ſtrauchartig von ſeiner Unterlage ſich erhebende Lager (thallus thamnodes v. fruticulosus v. filamentosus) iſt mittels eines Nagels(gomphus), d. h. einer dichten, in das Subfür ein⸗ gekeilten Verlängerung am Grunde des Lagerſtammes mit dem Subſtrat befeſtigt, wie bei den Usneaceen, Ramalineen und Sphaerophoreen. Bei Cladonia und Stereocaulon dagegen iſt die erſte Thallusgeneration laubartig, phyllodiſch, während nur diejenigen Teile des Lagers, welche die Apothezien tragen, ſtrauch⸗ artig, als ſogen. Podetien, ſich erheben.

Das ſtrauchartige Lager iſt zuweilen einfach, gewöhnlich aber mehr oder weniger gelappt, zerteilt oder verzweigt. Die einzelnen Verzweigungen ſind entweder ſtielrund, wie bei den Usneaceen und Sphaerophoreen, oder flach zuſammengedrückt und bandförmig,