Aufsatz 
Festschrift zur Gedenkfeier des fünfzigjährigen Bestehens der Anstalt / Königliches Realgymnasium Wiesbaden
Entstehung
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seiner akademischen Studienjahre, deren Zahl entsprechend gröſser war, hierauf verwenden mulste. ¹)

Sphärische Trigonometrie und die Anfänge der Differential- und Integralrechnung, mit denen am Realgymnasium der Primakursus abschlols, fehlten im Lehrplan der Realschulen I. Ordnung. Das sicherte den Schülern des ersteren auf den Akademien, pesonders in Karlsruhe, die Aufnahme in die Ingenieur- oder Maschinenbauschule, ohne daſs sie den mathematischen Vorbereitungskursus auf der Akademie durchzumachen hatten.

Groſser Wert wurde im physikalischen Unterricht darauf gelegt. dals in 2 Kursen jedesmal das ganze Gebiet durchgenommen wurde, so dals der zweite Kursus eine Wiederholung des ersten mit den entsprechenden Erweiterungen war. In dem physikalischen Praktikum sollte der Schüler durch selbständige Experimente den Verlauf physikalischer Erscheinungen zum Vorschein bringen.

Eine ähnliche Einrichtung bestand für den chemischen Unterricht. Er war in 2 bezw. 3 Kurse geteilt und wurde in der Prima von

praktischen UÜbungen begleitet, bei denen man Analysen quanti- tative nur für die befähigteren Schüler den Vorzug vor der Dar-

stellung von Präparaten gab. UÜber die Analysen wurden mündliche oder schriftliche Referate erstattet. Auch an den fakultativen Stunden nahmen meistens sämtliche Schüler teil.

Ganz besondere Sorgfalt wurde auf das konstruktive Zeichnen verwendet,weil es die Kunst der exakten Darstellung der Gedanken des Technikers und für seine spezifisch technische Thätigkeit gleich- sam dasselbe ist, was für die übrigen Lebens- und Berufsgeschäfte die gewöhnliche Schreibkunst ausmacht. ²)

Bei der Aufnahme in die Tertia wurde die Kenntnis der Haupt- lehren der Planimetrie verlangt. Dies scheint etwas viel zu sein. In der That war denn auch nur selten diese Forderung erfüllt, so dals Ende des Jahres 1862 eine Beschwerde an die Regierung ab-

¹) Nach einer herzoglichen Verordnung vom 10. Januar 1857 sollten die Kandidaten der Forstwissenschaft 5 Semester, der Berg- und Hüttenkunde 4 Semester, der Baukunde 6 Semester akademischen Studiums neben der auf dem Realgymnasium oder einem humanistischen Gymnasium bestandenen Reife- prüfung nachweisen. In Preufsen war für das Baufach ein vierjähriges Studium vorgeschrieben..

²2) Vgl. Casselmann, Eber den Lehrplan des Realgymnasiums. Programm Ostern 1867.