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Programm.) —“—
1) Geſang zum Eingange, Muſik von C. Kreuzerv; in der Liederſammlung des Gymnaſiums, Heft I. S. 104. Stille iſt das Haus der Klage, Und der Glocken Toͤne hallen, Wenn wir ernſt zum Grabe wallen, Daß man Leid im Herzen trage. Stille iſt das Haus der Klage. 2) Deutſches Trauer⸗Gedicht, verfaßt von dem Candidaten der Philologie Auguſt Spieß zu Weilburg, und vorgetragen von dem Primaner Friedrich Wieſenbach.
3) Geſang. Todtenpſalm, aus dem Proph. Jeſ. LVII, 1. 2., mit vierſtimmiger Melodie von Jac. Gallus, † 1591.**).
Vulgata: Ueberſetzung:
1. Eece, quomodo moritur iustus, et 1. Siehe, wie der Gerechte ſtirbt, und Nie⸗ nemo percipit corde; viri iusti tolluntur, et mand es zu Herzen nimmt; heilige Leute werden nemo considerat. 2. A facie iniquitatis subla- weggerafft, und Niemand achtet darauf. 2. Aber tus est iustus, et erit in pace memoria eius; vor dem Ungluͤck wird der Gerechte weggerafft, und in pace factus est locus eius, et in Sion habi- in Frieden bleibet ſein Gedaͤchtniß; in Frieden iſt tatio eius. ſeine Staͤtte bereitet, und in Sion ſeine Wohnung.
*) Die Trauerfeierlichkeit geſchohh in dem Verſammlungsſaale(Aula) der Anſtalt Abends 6— 8 Uhr. Die Hauptwand hinter der Baluſtrade, dem Eingange gegenüber, zwiſchen den Säulen, war mit ſchwarzem Tuche ausgeſchlagen. An ihr ſtand auf einem altarähnlichen Poſtamente die weiße Büſte des Höchſtſeligen, ein Geſchenk Höchſtdeſſelben für die Anſtalt, und zu beiden Seiten auf 12 ſchwarzen Gueridons ſilberne Leuchter mit brennenden Wachskerzen. Der Saal ſelbſt war übrigens durch Kron⸗ und Wandleuchter erhellt, wie bei anderen abendlichen Schulfeierlichkeiten; nur waren allerlei Trauerzeichen, beſonders am Catheder, angebracht. Ueber das Räumliche vergl. man das Nähere in den Beiträg. z. Verfaſſ. u. Verwalt. der Gymnaſien, Heft II. S. 100 ff. Die Zahl der Zuhörer, worunter der wohlloͤbl. Stadtrath Weilburgs in corpore, faßte der Raum nicht, und Viele, beſonders welche des Glückes nicht theilhaftig geworden waren, den geliebten Fürſten auf dem Todtenbette zu ſehen, beſuchten am Tage nach der Feier die Aula des Gymnaſtums, um ſich die Züge des Verehrten zu vergegenwärtigen, und, unter den ſie rings umgebenden Symbolen des Schmerzes, ihren Gefühlen wiederholte Nahrung zu geben.
**) Dieſer lateiniſche Todtenpſalm iſt ſeit den älteſten Zeiten in chriſtlichen Kirchen und Schulen Urtypus für die Klage des Schmer, zes und der Wehmuth geweſen, ſowohl im einſtimmigen älteren Lamentationen⸗Chore, als in der obigen mehrſtimmigen Melo⸗
die, welche die evangeliſche Kirche adoptirt hat. 1


