Aufsatz 
Festschrift des Gymnasiums Dillenburg zur Einweihung des Neubaues am 21. November 1957 /
(Zusammenstellung: W. Bauer, H. Menzel)
Entstehung
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Verfolgen wir die Arbeit der SMV, die wie alles Or- ganische sich nur mit der Zeit entfalten kann, weiter, so finden wir im Jahresbericht 1949:Die Arbeit der Schü- lermitverwaltung war wohl mehr helfender als mitver- waltender Art. Der Schwerpunkt der SMV-Arbeit in jenen Jahren lag also im Helfen: Damit ist zugleich ein wesentlicher Faktor der SMV überhaupt aufgezeigt! Dieses Helfen setzt eine Mitverantwortung des einzel- nen Schülers voraus, denn ich kann nur helfen, wo ich mich für meinen Nächsten mitverantwortlich fühle, und gerade heute müssen wir uns wieder auf das Gesetz besinnen, nach dem die SMV angetreten ist.

Die Arbeit der SMV in den Jahren nach 1940 ist gekennzeichnet von dem Bestreben, mehr ihren ver- waltenden Aufgaben gerecht zu werden. Man stellte sich selbst Aufgaben, welche die Schüler freiwillig übernahmen, wie z. B. die pausenaufsicht; aber nicht in der Absicht, eine Lehrerhilfskompanie zu sein, sondern aus dem Wollen, in praktischer Arbeit die Daseinsberechtigung der SMV zu beweisen.

Schulsportfeste, Vergleichswettkämpfe mit anderen Schulen und nicht zuletzt Schülerbälle zu organisieren, wurden zu selbstverständlichen Aufgaben der SMV im Laufe der Jahre. Wagte man anfänglich, nur einen klei- nen Tanzabend zu veranstalten, so ist heute der zur Tradition gewordene Schülerball aus dem schulischen Leben nicht mehr hinwegzudenken. Die geselligen Ver- anstaltungen sollen nicht nur die Gemeinschaft der Schüler untereinander, sondern auch die der Lehrer und Schüler fördern. Wir sehen also, wie die Aufgaben der SMV immer größer werden. Pausenaufsicht, Orga- nisation von Veranstaltungen geselliger oder sportlicher Art, Abiturientenbetreuung und Arbeitsgemeinschaften gehören wie selbstverständlich zu dem Aufgabenbereich der SMV.

Von den Arbeitsgemeinschaften sei hier die Tanz- arbeitsgemeinschaft besonders erwähnt, denn hier ha- ben die Schüler Gelegenheit, innetter Gesellschaft und unter Anleitung eines Tanzlehrers ihreTanz- qualitäten zu verbessern. Darüber hinaus stellte sich die SMV Aufgaben, die den innerschulischen Bereich verlassen: Verschicken von DPaketen in die Ostzone, Sammelaktion zu Weihnachten für die Armsten im Krankenhaus und finanzielle Unterstützung hilfsbedürf- tiger Schüler.

Durch das TreffenBhemaliger am dritten Weih- nachtsfeiertag besteht eine lebendige Verbindung zwi- schen ehemaligen Schülern und der alten Schule. Dieses Zusammenkommen derEhemaligen, 1954 erstmals von der SMV durchgeführt, findet immer mehr Anklang, denn es ist der einzige Tag im Jahr, wo sich sowohl die ehemaligen Schüler untereinander als auch die Schüler mit den Lehrern treffen.

Schülermitverantwortung

Man hat mich gebeten, ein paar allgemeine Gedan- ken zur Schülermitverwaltung niederzuschreiben, dies- mal jedoch zu einem ganz besonderen Anlaß. Ich kann nicht behaupten, daß ich von diesem Auftrag gerade erbaut war, denn derlei Artikel haben bekanntlich ja wenig Aussicht, zu Ende gelesen zu werden. Aber

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Wer von uns entsinnt sich noch der Zeit, als noch jeden Monat derSchulgroschen einkassiert wurde? Diese Einrichtung möchte ich besonders erwähnen, denn es konnten bedeutende Lehrmittel angeschafft werden.Wie konnte man dafür nur Geld übrig ha- ben, wird doch mancher von uns heute denken. Nun. die Schüler gaben denSchulgroschen nicht in erster Linie für Geräte, mit denen man ihnen durch Experi- mentieren dieZeit vertreiben wollte, nein, diese Selbsthilfe war ein Wesenszug der Schülerschaft in dieser Zeit. Hier zeigte sich dasMitverantwortlich- Fühlen des einzelnen Schülers, was immer das Ziel der SMyV sein wird, denn die SMV! ist in keiner Weise das Gremium des Schülerrates, sondern ist ein Faktor im schulischen Leben, der jeden angeht: Schüler wie Lehrer.

Wurde eben von demSchulgroschen gesprochen, so sind wir heute befreit von einer derartigen finanziel- len Belastung. Ja, das Gegenteil ist der Fall! Die Ein- richtung der Elternspende wurde eineFinanzquelle, von der manche Gelder auch für die Belange der SMV bereitgestellt werden.

Gab es früher immer Schwierigkeiten, wann und wo die Probleme der SMV besprochen werden könnten, so sind diese mit der Einführung der Verfügungsstunde behoben. Jetzt ist es möglich, in allen Klassen die An- liegen der SMV zu behandeln. Ist das nicht ein Fort- schritt? Nützen wir das auch aus? Die Antwort liegt bei euch. Weiterhin können wir uns jetzt in der Verfü gungsstunde zur Schulgemeinde zusammenfinden, in der alle Schüler versammelt sind und jeder zu einem bestimmten Punkt sich äußern kann. Bedeutet das nichts? Wäre das vor drei oder vier Jahren möglich gewesen, ohne daß der Unterricht darunter litt?

Auch das Erscheinen derFunzel, unserer Schüler- zeitung, bedeutet einen Schritt vorwärts. In erster Linie soll sie die Beziehungen und die Gemeinschaft zwischen den Dillenburger Schulen stärken.

Wir werden in der neuen Schule ein eigenes SMV- Zimmer haben und brauchen nicht mehr auf die Suche nach einem leeren Raum gehen, wenn Schülerrat ist. Aber mit dem eigenen Raum noch nicht genug! Eine Schreibmaschine steht auch zur Verfügung. Was soll man sich da noch wünschen? Eine Sekretärin? Nun, das dürfte nicht allzu schwierig sein.

Somit möchte ich zum Schluß noch einen Wunsch zum Ausdruck bringen: Möge mit dem Einzug in die neue Schule auch neuer Idealismus und frischer Geist für die SMvV mit einziehen. Die äuberen Schwierigkeiten s ind behoben; es liegt bei uns, ob wir die inneren meister n.

dann habe ich mir gesagt, daß ich vielleicht doch den einen oder anderen überzeugen könnte, und vor allem gebe ich mich der kühnen Hoffnung hin, daß manche Eltern und Lehrer diesen letzten Seufzer eines Opti- misten doch nicht überhören. Sie müssen nämlich wis- sen, ich beabsichtige in Kürze Abitur zu machen. Sie