Aufsatz 
Festschrift des Gymnasiums Dillenburg zur Einweihung des Neubaues am 21. November 1957 /
(Zusammenstellung: W. Bauer, H. Menzel)
Entstehung
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geschaffen werden, die der Beobachtungs- und Ver- gleichsmethodik sehr dienlich sind, insbesondere bei der Verwendung von Abbildungen aller Art im Fach- unterricht, und die auch für die Wertung der engeren Heimat neue Maßstäbe abgeben. Das sonst keineswegs beliebte Wandern ist in fremden Landschaften wieder reizvoll. Es wird sowohl aus gesundheitlichen Gründen als auch zum Abtasten des heimatkundlichen Objektes eingesetzt. Reichliches Verweilen soll dabei ein ruhiges und genaues Beobachten fördern.

Für mitverantwortlichen Binsatz unserer Schüler bie- tet der Landheimaufenthalt reichliche Gelegenheit: bei der Planung, Vorbereitung, Durchführung und Auswer- tung der Fahrten, bei der Bearbeitung der heimatkund- lichen Aufgabe und bei den vielen Ordnungsdiensten in der Herberge.

Das zeitlich ausgedehnte Zusammenleben in der Herberge vermittelt erlebnismäßig eine Sozialerziehung, die auf keine andere Weise im normalen Schulbetrieb zu erreichen ist. Aus den Lebensläufen unserer Reife- prüflinge und aus den Ürteilen vieler Eltern wissen wir um die Bedeutung des wiederholten Landheimerleb- nisses, insbesondere für das Hineinwachsen von Ein zelkindern in die Klassengemeinschaft. Die täglich mehrfach anfallenden kleinen Dienste verschonen nie- mand. Nachlässige Arbeitsausführungen einzelner be- lasten die ganze Gruppe. Unpünktlichkeit und andere Rücksichtslosigkeiten wirken sich auf die ganze Grúuppe aus und bringen den Gruppenkameraden Arger und, Mehrbelastung. Es hat sich gezeigt, daß die Reaktion der Betroffenen meist so heftig und nachhaltig erfolgte, daß sich ein Eingreifen des Aufsichtführenden er- übrigte. Die menschliche Begegnung mit dem Klassen- leiter kann das Arbeitsklima an der Schule wesentlich verbessern. Darüber hinaus ist die Begegnung unserer Schüler mit Menschen, deren Lebensbedingungen von den eigenen wesentlich abweichen, sehr förderlich für die Erziehung zu sozialem Verständnis und zur Tole ranz.

Um den hilfsbedürftigen Kameraden die Teilnahme

an den Landheimfahrten zu ermöglichen, hat die Schü- lermitverwaltung die HilfsaktionLandheimpfennig eingeführt, die von dem Taschengeld jedes Schülers täglich einen Pfennig in die Klassenhilfskasse abzweigt. Aus der Elternspende kommt ein Zuschuß von fünfzig Prozent hinzu.

Unsere Schüler sind begeisterte Anhänger der Land- heimfahrten. Für sie ist es zunächst das Neuartige, die nicht alltägliche Situation mit allen ihren Uberra- schungsmöglichkeiten, was anzieht.XNein Unterricht mit Aufgaben und Abhören. Keine Kklassenzimmer- atmosphäre. Der Klassenleiter erscheint irgendwie menschlicher im Umgang. Meist herrscht Frohsinn; er ist nicht nur auf die sehr vielgestaltigen Heimabende beschränkt. Ruhe und Ordnung in den Schlafräumen. der Küchendienst und viele andere kleine Dienst- verpflichtungen werden mehr oder weniger gern in Kauf genommen für das gemeinsame Erleben. Selbst bei den gemeinsamen Mahlzeiten geht es von Jahr zu Jahr gesitteter zu. Die vorliegenden, zum Teil recht umfangreichen Ausarbeitungen von Landheimthemen lassen die Fruchtbarkeit wohlvorbereiteter Landheim- fahrten klar erkennen.

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Durch den jährlichen Landheimaufenthalt erkült jedes Schuljahr seinen Höhepunkt und auch seine harak- teristische Färbung in der Brinnerung.

Viermal sind die Landheimfahrten bis heute vonuns durchgeführt worden(1953 1956). Dabei sind die 7ol- genden Landschaften aufgesucht worden:

1. Küstengebiet(von 8 Klassen): Neustadt in Holstein(4 Kl.), Lübed(3 Kl.), Ham- burg(8 Kl.), Borkum(2 Kl.). Cuxhaven(1 Kl.) und Lüneburg(1 Kl.),

2. Alpengebiet(von 8 Klassen): Urfeld am Walchensee(2 Kl.), Benediktbeuren(1 Kl.), Berchtesgaden(1 Kl.), München(3 Kl.), Hallstatt im Salzkammergut(1 Kl.), Drobollach am Baaker See in Kärnten(2 Kl.), Stichfahrt nach Vene- dig(1 Kl.),

3. Schwarzwald, Schwäbische A1b, B0- densee(von 11 Klassen): Schloß Ortenberg(4 Kl.), Stühlingen(1 Kl.), Titisee (1 Kl.), Luginsland(1 Kl.), Schloß Wildenstein und Münsingen(3 Kl.), Friedrichshafen(1 Kl.),

4. Odenwald, Franken(von 14 Klassen): Burg Breuberg(5 Kl.), Beerfelden(2 Kl.), Zwingen- berg(1 Kl.), Darmstadt(1 Kl.), Eberbach am Neckar (3 Kl.), Burg Hoheneck(1 Kl.),

S. Eifel, Mosel, Pf alz (von 12 Klassen):

Manderscheid(3 Kl.), Wittlich(2 Kl.), Laacher See- haus(2 Kl.), Boppard(1 Kl.), St. Goar(1 Kl.), Bad Dürkheim(1 Kl.), Rüdesheim(1 Kl.), Neustadt

an der Weinstraße(1 Kl.), Lorch(1 Kl.),

Mittelrhein,

6. Harz, Weserbergland(von ô6 Klassen):

Osterode(3 Kl.), Clausthal(1 Kl.), Hameln und Lemgo(1 Kl.), Bddigehausen bei Göttingen(1 KI.),

7. Sauerland, Westerwald, Taunus (von 17 Klassen):

Bilstein(4 Kl.), Plettenberg(1 Kl.), Freusburg(1 Kl.), Marienberg Buropahaus(2 Kl.), Rehe(2 KI.), Bad Homburg(7 KI.).

Mit Ausnahme der Fahrten auf den Westerwald und nach Lorch sind sämtliche Landheimfahrten mit der Bundesbahn durchgeführt worden, die uns durch einen Sondertarif(⁰½ Sonntagsrückfahrkartenpreis) und durch großzügige Reservierung von Sonderab- teilen auch weitere Reisen wesentlich erleichtert hat. Die Kosten sind von den Eltern getragen worden. Bedürftigen Schülern sind Beihilfen aus einer Selbst- hilfeaktion(Landheimpfennig) vom Verein der Freun- de und Förderer des Gymnasiums und für einzelne Schüler der Primen auch vom Ministerium gezahlt worden. Für die Lehrer sind in keinem Falle von den dafür zuständigen Stellen Reisekosten, Zuschüsse oder Beihilfen gezahlt worden; in einigen Fällen ist auch hier der Verein der Freunde und Förderer eingesprun- gen, um ein Scheitern der Landheimaktion zu vermei- den.