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III. Chronik des Gymnasiums.
Das Sommerhalbjahr begann am 21. April 1911 mit der Einführung des Herrn Oberlehrer Dr. Ahreps, der an die Stelle des verstorbenen Oberlehrers Becker tritt, und des Herrn Kandidaten Dr. Gotthold Schmidt, der den auch ferner beurlaubten Herrn Pro- fessor Dr. Brackmann vertritt.
Dr. Jakob Ahrens, geboren am 19. Dezember 1884 zu Frankfurt a. M., besuchte das Kgl. Kaiser Friedrichs-Gymnasium daselbst. Er bezog im Herbst 1903 die Universität Tübingen und widmete sich dort und auf der Universität Leipzig vornehmlich dem Studium der Geschichte. Im S. S. 1908 promovierte er in Leipzig mit einer Dissertation über„Die Ministerialität in Köln und am Niederrhein“ und bestand ebendaselbst das Staatsexamen für die Fächer Geschichte, Erdkunde, Deutsch, Philosophische Propädeutik. Sein Seminarjahr verbrachte er 1908/09 auf dem Kgl. pädagogischen Seminar zu Weilburg a. L., das Probejahr 1909/10 am städtischen Lessinggymnasium zu Frankfurt a. M. und an der städtischen Ober-— realschule zu Schmalkalden i. Th. Nach einer weiteren halbjährigen Tätigkeit am Kgl. Gymnasium zu Weilburg wurde er am 1. April 1911 zum Oberlehrer ernannt und am Kgl. Gymnasium Philippinum zu Marburg angestellt.
Herr Professor Engelhardt kehrte 8 Tage später von seinem Badeurlaub zurück. Ebensolange mußte Herr Professor Dr. Wilhelmi aussetzen, andre Herrn für kürzere Zeit. Herr Zeichenlehrer Klonk konnte am Schluß des ersten Quartals 14 Tage wegen einer Erkrankung in seiner Familie nicht unterrichten. Im übrigen verfloß das Semester ohne Störung.
Am 9. Mai fand der übliche Frühlingsausflug nach dem Frauenberg statt. Am 29. und 30. Mai unterzog Herr Provinzial-Schulrat Kanzow die Anstalt einer eingehenden Revision, wohnte dem Unterricht in allen Klassen bei und hielt eine längere Konferenz mit dem Lehrer- kollegium ab. Der Verwaltungsrat, Herr Regierungsassessor Irmer, revidierte am 20. Juni die Gymnasialkasse und besichtigte die Räume der Anstalt. Die Turnfahrt wurde am 1. Juli unternommen; die Primaner besuchten Limburg, die Schaumburg und Kloster Arnstein. Wegen der großen Hitze fiel der Unterricht acht Mal aus. Das Sedanfest wurde am 2. September in gewohnter Weise mit einer Feier auf dem Schulhof und einem Schauturnen auf Spiegelslust begangen. Am 30. September gedachte Herr Professor Armbröster der Kaiserin Augusta.
Mit dem Ende des Sommerhalbjahrs schied aus unsrem Kreise Herr Professor Arm—- bröster, um einem ehrenvollen Rufe als Direktor des Landesgymnasiums in Corbach zu folgen. Seit Ostern 1902 hat er unserer Anstalt angehört und sich durch opferwillige Berufstreue, unermüdliches Interesse für Schule und Schüler und allseitige Freundlichkeit die Hochachtung und Neigung seiner Kollegen und die Dankbarkeit seiner Schüler erworben. Unsere berzlichsten Wünsche folgen dem verehrten Mann in seinem neuen, verantwortungsvollen Beruf. Der Direktor gab diesen Empfindungen vor der Schule bereits am 30. September Ausdruck, da er für die letzten 8 Tage beurlaubt war, um an der Philologen-und Schulmänner- Versammlung in Posen teilzunehmen.
Das Winterhalbjahr begann am 20. Oktober mit der Einführung der Herren Kandidaten Wagner, der die Stelle des Herrn Direktor Armbröster versah, Hofmann und Treut. Das Reformationsfest wurde am 31. Oktober durch einen Vortrag des Herrn Dr. Schmidt über das Verhältnis Luthers zum Staate gefeiert. Am 9. Dezember unternahm die Oberprima unter Leitung des Herrn Dr. Ahrens eine Fahrt nach Frankfurt, um die dortigen Kunstschätze und wissenschaftlichen Gebäude kennen zu lernen. Nach Weihnachten mußte Herr Fiedler um einige Stunden, die Herr Hofmann übernahm, entlastet werden, wie auch Herr Professor Dr. Wilhelmi durch Herrn Preut seit Michaelis unterstützt wurde. Der Geburtstag des Kaisers wurde durch eine zahlreich besuchte Vorfeier am 26. Januar 1912 gefeiert. Der Schülerchor trug einige Gesänge vor, Herr Dr. Ahrens hielt die Festrede über Vork von Wartenburg, woran sich die von Herrn Dr. Klee mit trefflichem Erfolg geleitete Aufführung der schönsten Szenen aus Otto von der Pfordtens 1812 durch die Unterprimaner anschloß. Die Gedenkrede auf Friedrich den Großen verband der Direktor mit dem Kaiserhoch. Die mündliche Reifeprüfung fand am 5. März unter dem Vorsitz des Direktors statt.


