Aufsatz 
Nachträge und Berichtigungen zu dem Verzeichnis der Direktoren und Lehrer des Marburger Gymnasiums (1833 - 1910) im Jahresbericht von 1910
Entstehung
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III. Chronlk des Gymnasiums.

Das Sommerhbalbjahr begann am 5. April 1910 mit der Einführung der Herrn Kandidaten Dr. Pinnow, der den bis zum 13. Mai zu einer militärischen Ubung eingezogenen Herrn Professor Stange vertrat, Rudloff als Vertreter des für ein Jahr beurlaubten Herrn Pro- fessor Dr. Brackmann und Dr. Dorschel, der die Stunden des erkrankten Herrn Ober- lehrer Becker übernahm.

Am 22. Mai entschlief nach langem Leiden Herr Oberlehrer Becker, der seit Ostern 1901 unserm Kollegium angehört hatte. Sein reiches Wissen, seine Pflichttreue, sowie seine kollegiale Gesinnung sichern dem Verstorbenen ein ehrenvolles Andenken bei uns. Die Schule geleitete ihn am 25. Mai zur letzten Ruhestätte.

Die herkömmlichen Ausflüge fanden am 17. Juni und 9. Juli statt, ersterer nach dem Frauenberg, letzterer nach verschiedenen Punkten der weiteren Umgegend; die Primen be- suchten Wilhelmshöhe bei Cassel. Am 15. Juli fand vor dem Schulschluss eine Gedenkfeier zu Ehren der hundertjährigen Wiederkehr des Todestages der Königin Luise statt. Die Sedan- feier wurde am 2. September, wie gewöhnlich, durch einen mit einem Schauturnen verbundenen Ausflug nach Spiegelslust begangen. Auch nahm die Schule am 4. September an dem feier- lichen Aufzug und Feldgottesdienst auf dem Kämpfrasen teil.

Am 13. August schied der Departementsrat der Anstalt, Herr Provinzial-Schulrat Dr. Wassner, aus seiner Stellung, um in das Berliner Provinzial-Schulkollegium einzutreten. Wir bedauern aufrichtig, nur so kurze Zeit uns der Leitung des verehrten Mannes erfreut zu haben. Die Geschäfte übernahm Herr Provinzial-Schulrat Kanzow, der die Anstalt durch seinen Besuch beehrte..

Am Schluss des Sommerhalbjahrs trat der Schuldiener Adolf Pohle in den wohl- verdienten Ruhestand. Der Direktor sprach dem treuen Manne den Dank der Anstalt für die über 30 Jahre geleisteten Dienste aus, indem er das ihm verliehene Kreuz des Allgemeinen Ebrenzeichens überreichte, und wünschte ihm einen langen gesunden und frohen Lebensabend. An seine Stelle trat Paul Wiese, bisher Hornist-Sergeant beim 2. Bayr. Jägerbataillon in Aschaffenburg.

Das Winterhalbjahr begann am 14. Oktober. Die Feier des Reformationsfestes wurde durch einen Vortrag des Herrn Probekandidaten Rudloff begangen. Während der Weihnachts- ferien erkrankte Herr Professor Dr. Handwerck und musste durch den Herrn Probe- kandidaten Dr. Bergfeld vom 13. Januar an vertreten werden, während Herr Oberlehrer Dr. Klee das Deutsche in Oberprima übernahm; vom 1. März ab konnte Herr Professor Dr. Handwerck einen Teil seiner Stunden wieder übernehmen, die übrigen behielt Herr Dr. Bergfeld.

Der Geburtstag des Kaisers und Königs wurde durch eine Vorfeier am 26. Januar 1911 festlich begangen. Den Mittelpunkt bildete ein Vortrag des Herrn Oberlehrer Dr. Klee über die Entwicklung der vaterländischen Gesinnung Heinrich von Kleists, an den sich eine Auf- führung des 5. Aktes des Prinzen von Homburg schloss, die Herr Dr. Dorschel mit treff- lichem Erfolg einstudiert hatte. Vorträge des Schülerchors verschönten die eindrucksvolle Feier, die zahlreich besucht war.

Die Reifeprüfung fand am 15. und 16. März statt, am ersten Tage unter dem Vorsitze des Herrn Provinzial⸗Schulrats Kanzow, am zweiten unter dem des Direktors.

Der Gesundheitszustand der Schüler befriedigte. Um so unerfreulicher war die grosse Anzahl der Erkrankungen im Lehrerkollegium. Schon vor Pfingsten waren längere Leit zwei Lehrer zu vertreten, in einer Woche sogar drei. Schlimmer wurde es nach Weihnachten, da fast keine Woche von Vertretungen frei war. Zu beklagen ist ebenso die Belastung der mit der Vertretung betrauten Lehrer wie die Störung des Unterrichts. Gegen den Schluss des Schuljahrs erhielt Herr Professor Engelhardt einen fünfwöchigen Urlaub, um ein rheu- matisches Leiden zu kurieren, und auch der Direktor musste eine Woche Urlaub zur Ver- längerung der Osterferien aus Gesundheitsrücksichten erbitten. Hoffen und wünschen wir, dass im nächsten Programm nicht wieder über solche Unterbrechungen berichtet werden muss.