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Beilage zum Jahresbericht der Oberrealschule in Marburg.
Die Entwicklung der Realanstalt zu Marburg. Vom Direktfor Dr. Karl Knabe.
1. Die hessische Realschule.
Das realistische Schulwesen im ehemaligen Kurhessen ist in seiner höchsten Stufe schon durch die Gründung des„Collegium illustre Carolinum“ von seiten des auf vielen Gebieten hervorragenden Landgrafen Karl von Hessen am 2. November 1709 zuerst in die Erscheinung getreten. Für die mittlere geistige Ausbildung in realistischer Richtung sorgte bald der gelehrte Rektor Dr. Konrad Mel an seinem Gymnasium in Hersfeld. Die alte lateinische Stadtschule zu Cassel, seit 1779 Lyceum Fridericianum, war in ihren obersten vier Klassen, dem Pädagogium, für künftige Studierende bestimmt, während die unteren drei Klassen eine bürgerliche Bildung übermitteln sollten. Im Frühjahr 1809 erschien dann zu Marburg eine Einladungsschrift des Pädagogiums unter dem Titel„über die Verbindung der Gymnasien mit Realschulen“, die der Anstalt neues Vertrauen und regen Zuspruch erworben hat.
Selbständige Realschulen entstanden in diesem Gebiete in derselben Zeit und zwar in Cassel am 1. Oktober 1812 durch Dekret des Königs Hieronymus Napoleon vom 28. Juni 1812 unter dem Namen Bürgerschule, ferner am 1. Februar 1813 zu Hanau, die der am 1. November 1812 gegründeten Bürger- und RealSchule der katholischen Gemeinde in Frankfurt nachgebildet wurde. Die beiden letzten entsprachen dem Organisations- plane des Unterrichtswesens im Großherzogtum Frankfurt, den am 1. Februar 1812 der Großherzog Karl(früher Fürst-Primas von Dalberg) gegeben hatte. Hiernach wurden auch mit Beginn des Schuljahrs 1813/14 die Musterschule und die Realschule der israelitischen Gemeinde(Philanthropin) als Realschulen eingerichtet. So verschiedenartig auch die Ge- staltung dieser höheren Unterrichtsanstalten im einzelnen war, so hatten sie doch sämtlich den gemeinsamen Zweck, ihren Zöglingen eine höhere allgemeine Bildung zu übermitteln.
1907. Progr. Nr. 519.
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