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Diese Annahme lag nahe wegen der Analogie zu den Grosskrotzenburger, Heidelberger nnd Heddern- heimer fen; eine nähere Vergleichung mit diesen Anlagen erweckt aber doch mancherlei Bedenken. Die geringe Grösse und zentrale Form der genannten tfen in Verbindung mit der Einrichtung der Zungenmauern macht es möglich, gleichmässige Temperatur im Brennraum hervorzubringen. Bei den Massenverhältnissen des Marköbeler Ofens, der fast fünfmal so lang als breit, dabei viermal so gross als der Heidelberger und doppelt so gross als der Heddernheimer ist, dürfte die zum Ge- lingen des Brennens erforderliche Gleichmässigkeit der Hitze im oberen Brennraum schwerlich mit einem Feuer zu erzielen sein. Hatte man sich doch in Grosskrotzenburg, als man den ursprüng- lich zum Kalkbrennen angelegten Ofen als Ziegelofen benutzen wollte, offenbar aus diesem Grunde genötigt gesehen. seine Dimensionen durch Einsetzung der konzentrischen Mauer zu verringern.
Ein günstigeres Verhältnis der Länge zur Breite würde man erhalten, wenn man den Brenn- raum grösser als den Raum A auf der Packung aufgebaut annehmen wollte und sich die Feuer- züge in schräger Richtung durch das Gewölbe geführt dächte. Doch dem steht entgegen, dass die Packung nicht fest genug war, einen höheren Aufbau zu tragen. Dieselbe hatte wahrscheinlich nur den Zweck, den Raum A gegen Abkühlung zu schützen. Der Hauptgrund gegen jene An- nahme aber liegt darin, dass der Raum A in der Höhe des Fussbodens keine Einschüröffnung hatte. Wäre eine solche vorhanden, so könnte man sich allenfalls denken, dass der Graben E der mit, einem Rost überdeckte Aschenabfall gewesen, dass die untere Öffnung zum Wegschaffen der Asche und die Seitenöffnungen zum Zuführen der Luft bestimmt gewesen seien. Da die Einschüröffnung aber fehlt, auch, wie die noch 55 cm über dem Fussboden erhaltene Mauer des Raumes C beweist, nie dort vorhanden war, so bleibt nur übrig, die in der Fussbodenhöhe des Vorraums aufgefundene Offnung als Schürloch anzusehen. Diese Öffnung führt aber nicht direkt in den Brennraum, son- dern in den vor ihm liegenden tiefen Graben, in dem sich ebenso wie in der Öffnung selbst Spuren von starkem Feuer und besonders Holzkohle und Asche fanden.
Wir erhalten demnach ein anderes Bild von der ganzen Anlage und dem Betrieb: In dem Schürloch F, welches, wie zertrümmerte Ziegel zeigten, nach dem Inneren des Raumes C über die Mauer hinaus verlängert sein mochte, und in dem Graben E brannte das Feuer. Durch den letz- teren schlug die Flamme empor in den Brennraum A und umspielte die dort aufgestellten zu brennenden Gegenstände. Die Vertiefung des Heizraums gegen den Brennraum hatte den Zweck zu bewirken, dass die Waare nur mit der reinen Flamme in Berührung kam und nicht durch Asche und Kohlenstücke verunreinigt wurde.
Wozu aber dienten die seitlichen Öffnungen? Luftzuführungen, wie sie bei modernen Kon- struktionen, z. B. bei den Kasseler Flammziegelöfen, vorkommen,! können es nicht wohl gewesen sein. Solche Einrichtungen setzen voraus, dass das Feuer auf einem Rost brennt, unter dem die Kanäle einmünden, so dass die Verbrennungsgase sezwungen werden, in den Brennraum zu schlagen. In unserem Fall würden die Schachte nur bewirken, dass das Feuer sich den nächsten Weg durch diese suchte und gar nicht in den Brennraum gelangte. Sollte das Feuer in denselben schlagen, so mussten die Schachte geschlossen sein. Man konnte aber durch öffnen derselben das Feuer plötzlich unterbrechen, ohne es im Feuerraum zu löschen, und wenn es gelöscht war, kalte Luft- ströme zur Abkühlung des Ofens zuführen. Leider konnte bei der Ausgrabung nicht genügend festgestellt werden, in welcher: Weise der Brennofen von aussen zugänglich war. Die nördliche Querwand war, wie oben bemerkt wurde, ausgebrochen; doch schien die Beschaffenheit der Trüm- mer zu beweisen, dass sie den Seitenwänden analog aufgeführt war. Das Vohandensein eines Ein- gangs an dieser Stelle ist nicht ausgeschlossen. Etwa in der Mitte der östlichen Langseite war


