Aufsatz 
Der römische Grenzwall bei Hanau mit den Kastellen zu Rückingen und Marköbel / von Georg Wolff und Otto Dahm
Entstehung
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8 auch in Grosskrotzenburg gefunden sind, ist bereits früher bemerkt und erklärt worden. Unserer obigen Ausführung entspricht es nun wiederum vollkommen, dass in dem Hypokaustum keine Zie- gel desjenigen Truppenteils gefunden sind, den wir als die Garnison des Kastells während der ganzen Zeit der Okkupation oder wenigstens während eines grossen Teils derselben betrachten. Es fanden sich in demselben zahlreiche Stempel der Leg. XXII pr. p. f. und der genannten Kohorte, und zwar die letzteren ausschliesslich auf den kleinen Pfeilerplatten, die der Legion dagegen auf grossen Deckplatten, auf Dachziegeln und Heizröhren. Von letzteren ist bereits gesagt, dass sie mit demselben Instrument gestempelt waren, welches auch bei Friedberger Kacheln an- gewandt ist.

Abgesehen von dem Hypokaustum, in dem, wie bemerkt wurde, die Cohors III Dalmatarum nicht vertreten war, fanden sich die Stempel dieser Kohorte neben denjenigen der Coh. IIII Vin- delicorum und der Legio XXII. pr. p. f. in allen Teilen des Kastells, in welchen Reste massiver Bauwerke aufgedeckt wurden, wie sie nach früheren Mitteilungen auch in der Villa vor dem- selben gefunden waren.¹) Am zahlreichsten waren die der Coh. III Dalmatarum besonders in den Trümmern der Thortürme, wie denn allein in der Porta praetoria 40 sehr gut erhaltene Exem- plare auf Dachziegeln(Tegulae) ausgegraben wurden, von welchen mehrere dadurch auch sprach- liches Interesse haben, dass sie die Form Coh. III Dalmatu(m) zeigen. ²) Im Übrigen sind gerade von dieser Kohorte die wenigsten, nur 7 Variationen vorhanden, während die Legion in 22 und die Vindelicierkohorte in 10 Variationen vertreten sind. Berücksichtigt man dabei, dass die Stempel der Dalmater fast ausschliesslich auf Dachziegeln der Kastelltürme und des Prätoriums vorkamen, dass insbesondere in dem Hypokaustum diese Kohorte gar nicht vertreten war, dass ferner die wenigen gestempelten Hohlziegel ebenso ausschliesslich Dalmaterstempel zeigen, wie die kleinen Pfeiler- platten den Vindeliciern, die grossen Kacheln und die Deckplatten des Hypokaustums aber, soweit die Fragmente es erkennen lassen, der 22. Legion angehören, so gewinnt unsere oben angeführte Ansicht an Wahrscheinlichkeit, dass die Ziegel der letztgenannten Truppenteile wenigstens z. T. von Friedberg und Grosskrotzenburg aus geliefert wurden, dass dagegen die Coh. III Dalmatarum in einer verhältnismässig beschränkten Zeit sich ihre Ziegel für die Bauten am Kastell selbst, brannte.

Wir nehmen nämlich an, dass die Garnison des Kastells während der ganzen Okkupations- zeit oder wenigstens während eines grossen Teils derselben durch die Coh. III Dalmatarum und eine kleine Abteilung der Leg. XXII. pr. p. f. gebildet wurde. ³)

¹) Die Zusamenstellung aller früher gefundenen Stempel gab Duncker in der oft angeführten Schrift S. 32 ff; Ergänzungen hierzu brachte Suchier in der Festschrift S. 18, 19, 24. Inzwischen wurden die dem Fürstlichen Museum zu Birstein einverleibten Fundstücke durch S. Durchlaucht den Herrn Fürsten von Isenburg-Birstein dem Hanauer Vereinsmuseum geschenkt, so dass jetzt in demselben alle wichtigeren Rückinger Antikaglien vereinigt sind. Der von Duncker S. 35 nach Schlereth angeführte angeblich in Rückingen gefundene Stempel COH. III A0., welcher sich nirgends gefunden hat, dürfte wohl aus den Verzeichnissen(Dieffenbach, Steiner, Klein, Brambac)h), in die er übergegangen ist, zu streichen sein. Verwechselungen der z. T. schwer zu bestimmenden Stempelfragmente finden sich bei den Lokalforschern aus Schlereths und Steiners LZeit so häufig, dass man schwerlich mit Duncker zu der Annahme einer Zerstöruug durch die Kosacken seine Zuflucht zu nehmen braucht.

²) Die in Rückingen gefundenen, meistens sehr schönen Stempel zeigen sämtlich ebenso wie die unten zu er- wähnende Steininschrift die Form Dalmatae in den Abkürzungen: DAL, DALM, DALMPF und DALMATV, die sonst als die übliche angesehene Form Delmatae kam nicht vor. Der Genetiv Dalmatum, den die Abkürzung DALMATV anzu- nehmen nötigt, ist meines Wissens bis jetzt anderwärts noch nicht nachgewiesen. Ich komme auf die Frage weiter unten zurück.

³) Wenn Marquardt, Römische Staatsverwaltung, II. Band, II. Aufl. S. 473 bemerkt, dass die Hülfskohorten

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