Aufsatz 
Aus der inneren Geschichte der Juden Frankfurts im XIV. Jahrhundert : (Judengasse, Handel und sonstige Berufe) / vom Oberlehrer I. Kracauer
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es klaffen noch viele Lücken. Eine Reihe örtlich beschränkter Spezialuntersuchungen werden uns möglicherweise größere Einsicht in diese hochwichtige Frage verschaffen.

Der Ausgang des Kampfes, von dem wir nur einzelne Stadien kennen, war für die Juden verhängnisvoll. Die sich in Innungen und Gilden zusammenfassenden gewerblichen und kaufmännischen Kreise der städtischen Bevölkerung schlossen sie von ihren Genossen- schaften aus und suchten die unbequemen und gefährlichen Mit- bewerber aus dem Gebiete des Handels völlig herauszudrängen).

Daß die Juden durch diese Einschnürung moralisch und sozial herabsinken mußten, ist selbstverständlich).

Inwieweit trifft nun diese Entwicklung, die sich in allen deut- schen Gegenden, in der einen früher, in der anderen später, vollzog, auch für die Juden in Frankfurt zu?

Wir wissen, daß diese Stadt schon seit der Mitte des XII. Jahr- hunderts ständig von Juden bewohnt wars), und daß zu den Meß- zeiten viele Juden, besonders vom Rhein(Worms), dorthin strömten, wir sind also zu der Ansicht berechtigt, daß die Frankfurter Juden, wie ihre damaligen Glaubensgenossen überhaupt, sich am Waren- handel beteiligt hatten, wenn auch direkte Nachrichten hierüber fehlen. Erst sehr spät, seit der Mitte der Regierung Ludwigs des Bayern, beginnen einigermaßen zusammenhängende Aufzeichnungen über die Wirtschaftsgeschichte der Frankfurter Juden, also erst zu einer Zeit, wo gerade die Gewerbetätigkeit und der Handel der Stadt einen glänzenden Aufschwung nahmen, der unter dem Nach- folger Ludwigs, unter Kaiser Karl IV., sich noch gewaltig steigerte). Man durchblättere nur einmal die Liste der christlichen Gewerbe- treibenden und Handelsleute jener Zeit, die Dietz in seinem Werke Frankfurter Handelsgeschichte über die verschiedenen Handels- zweige, die Steuern und das Vermögen der Frankfurter Bürger für das XIV. Jahrhundert?) und für noch frühere Zeiten zusammen- gestellt hat! Eine stattliche Anzahl von Händlern mit Wolle und Tuch, mit Eisen, Kupfer und Edelmetall, mit Leinwand, Rauchwerk, Farbstoff, mit Hafer und sonstiger Frucht, mit Honig und Wein, mit Spezereien, mit Fischen, mit Holz usw.

¹) Inwieweit Schultes Ansicht berechtigt ist, daß sich diese Entwicklung nicht ganz ohne Schuld der Juden vollzogen habe, da sie verabsäumt hatten, zum Handwerk in das Verhältnis zu treten, wie der christliche Kaufmann, der entweder selbst Produzent war oder die Handelsware bei dem ihm bekannten Handwerker bestellte und so in steter Fühlung mit ihm war, während der Jude zu seinem Unheil diesem fremd blieb, lasse ich dahingestellt.

²) Siehe hierüber auch Güdemann, Geschichte des Erziehungswesens und der Kultur der Juden in Frankreich und Deutschland, Band I, S. 129.

²) Siehe politische Geschichte der Frankfurter Juden, S. 45.

) Näheres hierüber bei Dietz, Frankfurter Handelsgeschichte, S. 141, 142, 147.

) Von S. 144 ab.