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II. Chronik des Gymnasiums.
Durch Rescript kurfürstlichen Ministeriums des Innern vom 7. Abril 1845 wurde in Gemässheit höchster Entschliessung der Candidat des Gymnasiallehramts Ollo George Theodor Weber als Practicant bei dem hiesigen Gymnasium zugelassen. Derselbe ist ge— boren zu Obersuhl am 5. Februar 1823, besuchte das Gymnasium zu Kassel, sodann von 1840— 1844 die Universitäten Marburg und Bonn, und trat seine Functionen an dem hiesigen Gymnasium am 21. April 1845 an.
Durch höchste Rescripte vom 5. November 1845 wurde
der ordentliche Lehrer an dem hiesigen Gymnasium Dr. George Blackert, welcher seit Ostern 1835 mit dem besten Erfolge an dem hiesigen Gymnasium gewirkt hatte, an das Gymnasium zu Rinteln;
der ordentliche Gymnasiallehrer Dr. Guslaf Volckmar, welcher unter dem 25. April 1844 von dem Gymnasium zu Hersfeld an das hiesige versetzt worden war(s. die vor- jährigen Schulnachrichten S. 77), an das Gymnasium zu Fulda, und
der ordentliche Gymnasiallehrer zu Rinteln, Dr. Wihelm Hupfeld an das hiesige Gymnasium versetzt. Der letztere, welcher bereits in den Jahren 1837— 1838 als Practi- cant an dem hiesigen Gymnasium thätig gewesen war, trat seine hiesigen Functionen am 10. Januar 1846 an.
Am 26. Januar 1846 stürzten in Folge der ungewöhnlichen Regengüsse, welche in den nächstvorhergegangenen Tagen Statt gefunden hatten, die hohen Umfassungsmauern des ehemaligen Dominicanerklosters und jetzigen Universitätsgebäudes, innerhalb dessen
sich auch das Gymnasium befindet, zum grossen Theite— fast so weit dieselben die dermalige Dienstwohnung des Gymnasialdirectors umschlossen— nach der Lahnthorstrasse
hin ein, und begruben in ihrem Falle fünf Knaben von 7—8 Jahren, Schüler der hiesigen Bürgerschule, von welchen drei ihren augenblicklichen Tod fanden, zwei lebensgefährlich Verlelzt, aber seitdem wieder hergestellt wurden. Schüler des Gymnasiums wurden von dem Unfalle nicht berührt, eben so wenig irgend eins der Schullocale des Gymnasiums oder die Aula der Universität*) Dagegen musste ein in Benutzung des Gymnasiums
1) Das Obige möge zugleich als Berichtigung angeblich aus Kassel datierter Zeitungsartikel(Allg. Zeitung 1846 no. 43) dienen, welche weite Verbreitung und ihren Weg sogar in helgische, französi- nche und englische Zeitungen gefanden haben. Zu den Fictionen dieser Artikel gchört auch ein an- geblicher„Conflict der zu dem Bau der Mauer verpflichteten Kassen“, welcher die entferntere Ver- anlasstng zu dem Unfall gegeben haben soll— cin solcher Conflict kann bei dem Universitätsgebäude
nicht Statt finden—, so wie, dass die Mauer„hbercits nahe an fänfhundert Jahre nuerschüttert ge-


