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nach dem früheren Bericht ein Jahr lang wegen Kränklichkeit unterbrochen war, mit dem Anfang des neuen Schuljahrs wieder in seine Wirksamkeit ein. Candidat Krause, der ihn vertreten hatte, blieb als Practicant an dem Gymnasium.
Am 22. April wurde in Folge der von Kurfürstlichem Ministerium des Innern ertheil- ten Genehmigung die im vorigen Bericht schon in Aussicht gestellte neue Classe(Sexta) mit 27 Schülern eröffnet. Zur Ertheilung des Hauptunterrichts in dieser Classe wurde zugleich der Gymnasial-Practicant Karl Heuser von dem Gymnasium zu Marburg an das hiesige versetzt. Derselbe hat mir über seine Lebensumstände Folgendes mitgetheilt. Er ist am 15. December 1822 zu Rodenberg im Schaumburgischen geboren, wo sein Vater die Stelle eines Amts-Advocaten noch jetzt bekleidet. Er besuchte das Gymnasium in Rinteln von 1835— 1839, dann die Universität zu Marburg bis zum Herbst 1841, nahm hierauf die Stelle als Lehrer der neuern Sprachen in einer Privatanstalt zu Pirmont an, kehrte aber Ostern 1845 nach Marburg zurück und wurde, nachdem er daselbst ge- gen Pfingsten die theoretische Prüfung für künftige Gymnasiallehrer bestanden hatte, um Johannis 1846 als Practicant dem Gymnasium zu Marburg zugewiesen, an welchem er bis zu seiner Versetzung hierher lehrte.
Kurz darauf entriss der Tod unserer Anstalt einen ihrer Lehrer, den Dr. Karl Friedrich Creuzer. Er war den 15. Juli 1800 zu Marburg geboren, besuchte, zuerst von seinem Vater, dem Ober-Consistorialrath und Prof. Christ. Andr. Leonh. Creuzer, unterrichtet, 1809— 1815 das Marburger Pädagogium und studirte, nachdem er zu seiner weiteren Ausbildung zwei Jahre theils in Heidelberg bei seinen Pathen, K. R. Schwarz und G. R. Fr. Creuzer, theils in Gossfelden bei Pfarrer Bang zugebracht hatte, seit 1817 Anfangs Theologie, später Philologie und Naturwissenschaften auf der Universität zu Marburg. Im Jahr 1821 zum Doctor der Philosophie promovirt, privatisirte er mehrere Jahre im väterlichen Hause, bekleidete dann seit 1825 kurze Zeit Privat-Lehrerstellen zu Gossfelden und zu Cassel, und wurde 1826 auss. Lchrer des Marb. Pädagogiums, 1828 Rector der Marburger Stadtschule. Im November 1832 aber trat er als ordentlicher Lehrer am hiesigen Gymnasium ein. Von dieser Zeit an lehrte er theils alte Sprachen, theils deutsche Sprache, Geographie und Naturwissenschaften u. A. am hiesigen Gym- nasium. Körperliche Leiden hinderten nicht selten seine auf reiche und mannigfaltige Kenntnisse gegründete Wirksamkeit und er hatte sich eben, zur Wiederherstellung sei- ner Gesundheit nach Marburg begeben, als er am 12. Mai 1850, getrennt von seiner Gattin und seinen Kindern, von seinen Collegen und Schülern in seiner geliebten Vater-


