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und Frieden für das Römiſche Reich zu erwarten ſei, ſo lange man ſich nur auf Abwehr ihrer Einfälle beſchränke, entſchloß ſich Markus die Feinde in ihrem eigenen Lande aufzuſuchen, um durch Unterwerfung oder Vernichtung derſelben dem Kriege für immer ein Ende zu machen. Dieſen Entſchluß auszuführen, brach im Sommer 174 ein Römiſches Heer in das Gebiet der Quaden ein. ¹) Daß der Kaiſer ge⸗ rade dieſes Volk zuerſt mit Krieg überzog, dazu beſtimmten ihn wohl neben mehreren andern vornehmlich zwei Gründe. Einmal lag das Land der Quaden der Stadt Karnuntum, dem wichtigſten Waffenplatze in dieſem Kriege, dem Sammelplatze der Römiſchen Heere, gerade gegenüber, ſo daß ein Einfall in daſſelbe leichter und ſchneller als in jedes andere feindliche Land bewerkſtelligt werden konnte. Sodann waren die Quaden das mittelſte unter den drei mächtigſten Donauvölkern und das verbindende Glied zwiſchen Markomannen und Jazygen. Durch ihre Unterwerfung wurde die gefähr⸗ liche Verbindung der Donauvölker zerriſſen, die Markomannen und Jazygen nicht blos der Hülfe der Quaden beraubt, ſondern auch gehindert, einander Beiſtand zu leiſten, wenn eines unter ihnen ſelbſt von den Römern angegriffen werden ſollte. Daß aber der Kaiſer bei ſeinem Kriegszuge wirklich einen ſolchen Beweggrund gehabt habe, das beweiſen die Friedensbedingungen, die er nachher den Quaden auflegte, ſo wie die Bemerkung, welche Dio bei dieſer Gelegenheit macht. ²)
Dieſer Krieg mit den Quaden iſt beſonders merkwürdig wegen der bekannten Schlacht, welche von der Phantaſie der chriſtlichen und heidniſchen Welt jener Zeit ſo wunderbar ausgeſchmückt worden iſt. ³) Ich habe es hier allein mit dem eigent—⸗ lichen Faktum, mit dem rein Hiſtoriſchen zu thun, das ſich in folgenden Worten zuſammenfaſſen läßt: Die Römer von den Feinden eingeſchloſſen und durch deren Waffen wie durch Hitze und Durſt der Vernichtung nahe gebracht, wurden plötlich und unerwartet durch ein Gewitter mit ſtarkem Regen aus ihrer gefährlichen Lage gerettet und entriſſen nun den ſorgloſen Quaden den Sieg, den dieſe ſchon in den Händen zu haben glaubten. Man hat den Sieg, welchen die Römer bei dieſer Gelegenheit errungen haben wollen, als Erdichtung dargeſtellt*), aber gewiß mit
¹) Dion. Cass. LXXI, c. 8.
²) Dion. Cass. LXXI, c. 11(ſiehe auch unten).
³) Dion. Cass. LXXI, c. S— 11. J. C. in M. c. 24. Oros. VII, 15. ¹) Kufahl Geſch. d. D. B. I. S. 360.


