Aufsatz 
Die Grundsätze und Mittel der Wortbildung bei Tertullian : Fortsetzung / von G. R. Hauschild
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konnten. Er sah hierin gegenüber dem Vortheil, den der Facultativ-Unterricht für die Erweiterung der Geistesbildung allen besseren Schülern gewährte, einen geringen Nachtheil, zumal da unsere Schüler drei Jahre lang mit voller Zustimmung ihrer Eltern(Nro derselben hatten sich dafür erklärt) an die fünfte, ja sechste Morgenstunde gewöhnt waren, als noch der gesammte Unterricht auf den Morgen zusammengelegt war.*) Gegen die Beschränkung der Theilnahme an den facultativen Gegenständen remonstrirten der Director, das Curatorium und die Eltern der aus- geschlossenen Schüler. Ein Vierteljahr daraur wurde in Folge einer Ministerialverfügung(Siehe Nr. 23) die Theilnahme am Schreiben, am Zeichnen und am Englischen wiederum allen Schülern gestattet, nur dass in Prima sie zwischen Englisch und Italiänisch zu wählen hatten. In Betreff des Hebräischen war in dem Ministerialerlass nichts darüber bestimmt, ob die Theilnahme daran vom Englischen(Italiänischen) ausschliessen solle oder nicht; doch wurde drei Schülern der Unterprima auf besondere Petition seitens der Eltern von dem Kgl. Pr. Sch. Collegium neben dem Hebräischen das Englische(Italiünische) gestattet. Dagegen wurden drei bisher nicht beanstandete facultative Lectionen als»ausserhalb des Normallehrplans liegend« aufgehoben: Die philologischen Privatstudien und die eine Tacitus-Lection in Prima und die eine Stunde Naturkunde in Secunda, zu unserem und der Schüler Bedauern. Jedenfalls haben die Königlichen Behörden darin die Milde ihrer Auffassung über einzelne Abweichungen von der Norm bewiesen, dass sie zwölf Jahre lang diese abnorme Einrichtung, über die jährlich im Programm ausführlich Rechenschaft gegeben worden ist, geduldet haben. Der»Studientag« hat unsern Primanern bisher den Vortheil gebracht, dass sie da sich in einen der classischen Schrift- steller nach freier Wahl hineinlesen konnten; er bildete ein allen besseren Schülern willkommenes Gegengewicht gegen die durch das Abiturienten-Examen bedingten grammatischen Mühsale. Wir glauben, dass eine Zeit kommen wird, wo man ihn zurückwünschen wird, ebenso wie den sehr anregenden und fruchtbaren Naturkunde-Unterricht in Secunda.

Ueber den Studientag während des Sommers 1880 ist Folgendes zu berichten. Es nahmen alle(48) Primaner Theil. Unter ihnen lasen die meisten Griechische Schrift- steller, und zwar von Dichtern 7 Homer, 3 die Elegiker, 5 Pindar, 1 Aeschylos, 4 Sophokles, 1 Euripides, 7 Aristophanes, 2 Theokrit; von Prosaikern 13 Thu- kydides, 4 Xenophon, 5 Platon, 1 Aristoteles, 2 Lysias, 3 Isokrates, 2 Plu- tarch, 2 Lukian. Von den Lateinischen Dichtern wurde Plautus von 8, Terenz von 3, Horaz von I; von den Lat. Prosaikern Cicero von 4, Sallust von 7, Tacitus von 10, Plinius(Briefe) von 1 gelesen.

In Betreff einiger besonderer Unterrichtszweige habe ich hier noch mitzutheilen: 1. Für den Deutschen Unterricht der Oberclassen sind das Herbst'sche Hilfsbuch für Litteraturgeschichte und die philosophische Propädeutik von Rumpel eingeführt, 2. Für den Latein-nterricht in Sexta ist, nach langen und sorgfältigen Erwägungen unter den Fachlehrern, in der Conferenz vom 8. März 1881 beschlossen worden, an- statt der Ostermann'schen Bücher die Perthessche Wortkunde(Vocabularium und Lesebuch) einzuführen. Wir hoffen, dass diese Aenderung schon Ostern 1881 in

*) Siehe Progr. 1876, S. 45; 1877, S. 53; 1879, S. 95; 1880, S. 81.