Schulnachrichten.
Mit Ostern 1880 trat Herr Oberlehrer Dr. Reinhardt in das Lehrercollegium ein; dieser berichtet über seine Lebensumstände Folgendes:
Karl Reinhardt, geboren am 12. Juli 1849 zu Puderbach bei Neuwied, Sohn des verstorbenen Pfarrers Karl Reinhardt, besuchte das Progymnasium zu Neuwied und das Gymnasium zu Weilburg, studirte von Ostern 1869 an zu Basel, Bonn und Berlin Philologie, promovirte im Sommer 1873 in Bonn und legte ebendort in dem darauf folgenden Winter sein Staatsexamen ab. Vor seiner Berufung an die hiesige Anstalt war er an den Gymnasien zu Essen, Bielefeld und Münster i. W. in Thätigkeit.
Der im vorigen Programm(S. 80) erwähnte Urlaub des Herrn Raabe wurde bis Pfingsten 1880(bzw. bis zu den Sommerferien) verlängert; so lange dauerte also auch die Stell- vertretung für ihn durch Herrn Dr. Bopp; während des übrigen Schuljahres hat die Gesundheit des Herrn Raabe sich zu unserer Freude recht gut gehalten. Als Probecandidaten waren beschäftigt Herr Otto Morin, Herr Dr. Gottfried Wirth, Herr Dr. Karl Bopp. Während des Wintersemesters mussten dem Herrn Prof. Dr. Eberz fünf Stunden mit den dazu gehörigen Correcturen abgenommen werden, weil er durch ein Augenleiden an der vollen Ausübung seiner amtlichen Thätigkeit gehindert war.
Gegen Ende des vorigen Schuljahres(7. März 1880) starb der emeritirte Senior des Ministeriums Herr Dr. Joh. Philipp König; im Winter darauf(1. December 1880) der Director des Consistoriums Herr Senator(Schöff) Dr. Sam. Gottlieb Müller: beiden bekannter- massen um das Frankfurter Schulwesen hochverdienten Männern wird auch unsere Schule, die sie lange Zeit hindurch als Vorgesetzte verehrt hat,(siehe Progr. von 1873, Seite 48— 50 und von 1866, Seite 39) ein dankbares Andenken bewahren. Auch ein früherer treuer Lehrer des Gymuasiums, der seit Herbst 1864 in den Ruhestand versetzte Herr Prof. Johannes Weis- mann(siehe Progr. von 1865, Seite 37 f.) starb im Laufe dieses Jahres(24. October 1880). Unsere Schule drückte ihre Theilnahme an diesen Todesfällen dadurch aus, dass der Director und andere Mitglieder des Lehrercollegiums sich dem Trauergeleit anschlossen.
Die schriftliche Prüfung der Abiturienten dauerte vom 4. bis zum 10. Februar 1880; die mündliche fand statt am 11. März 1880, wobei der Director im Auftrage des König- lichen Commissarius den Vorsitz führte. Alle die sich gemeldet hatten, erhielten das Reife-Zeugniss: 1. Moritz Hofmann, 19 1 ½ Jahre alt, zum Studium der Rechte und der Geschichte, nach Heidelberg; 8


