Aufsatz 
Die Grundsätze und Mittel der Wortbildung bei Tertullian : Fortsetzung / von G. R. Hauschild
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eine Vision, ein Gebet, aber ein vom Geiste(Gottes eingehauchtes spiritalem), in der Ekstase(in ecstasi FW.) d. h. in der Abgezogenheit von dem eignen Gedanken(amentia) gesprochenes vorlegen.

Wenn Tertullian einem, wenn auch häretisierenden Christen gegenüber, auf die allgemeine alttestamentliche Bedeutung des Begriffes ⸗ocpirns eingehen konnte, so musste er den Heiden das Wesen des christlich-jüdischen Prophetentums von der ihnen geläufigen klassischen Bedeutung desselben aus klar zu machen suchen. Er thut dies in seiner berühmten Verteidigungsschrift des Christentums, die er an die Verwaltungsbehörden des proconsularischen Afrika gerichtet hat. Nachdem er dort im 17. Capitel den Gottesglauben der Christen kurz dargelegt und als schon im Gemeingefühl der Menschheit wurzelnd begründet hat, sagt er im 18. Capitel: Aber damit wir voller und nachdrücklicher(impressins NB.) an seine Anordnungen und Willensmeinungen herantreten, hat er auch ein literarisches Hülfsmittel(instrumentum litera- turae) beigegeben, um Gott zu suchen, zu finden, an ihn zu glauben und ihm zu dienen. Er hat nämlich vom Anbeginn der Welt her Männer in die Welt gesandt, welche durch ihre Gerechtigkeit und Unschuld wert waren Gott zu erkennen und erkennen zu lassen(deum nosse et ostendere); dieselben waren von dem heiligen Geiste angefüllt und überströmt(inundatos), durch welchen sie verkündigen sollten (praedicarent), dass es einen einzigen Gott gebe, der das Weltall geschaffen, noch erhält und weise regiert, und dergl. Hierauf fährt er fort:»Die wir Prediger nannten, werden Propheten nach dem Amte des Voraussagens benannt«. ¹⁴⁶) Ihre Reden und Thaten, welche sie im Einklang mit ihrer göttlichen Sendung(ad fidem divinitatis) veranstalteten, sind noch jetzt in den Schatzkammern der Wissenschaft enthalten.(Es folgt der Hinweis auf die Uebersetzung der LXX.) Offenbar denkt Tertullian bei praedlicare noch an die Bedeutung des prae in dieser Zusammensetzung(voraussagen), und lässt sich von dem Verb aus zu der Bedeutung des praedicator als eines Voraussagers treiben; aber sei es, dass die besondre christliche Bedeutung des praedicator als eines Predigers, die er sonst in seinen Werken zum grossen Teil hat, sich ihm auch hier aufdrängt, sei es, dass er an die ciceronianische Bedeutung von praedicator als Lobpreiser, an die apulejanische als Ausrufer dachte: auf jeden Fall mochte er das echt lateinische Wort nicht für geeignet halten, um den von ihm im Vorausgehenden schon indirect, wenn auch nur in allgemeinen Zügen erläuterten Begriff des alttestamentlichen Prophetentums den Heiden genügend klar zu machen. Darum latinisiert er das griechische Wort und erklärt es mit Hülfe eines Verbs, in welchem die Bedeutung des Vorhersagens(und Vor-Jemandem-Redens) noch offen zu Tage trat. Hiermit bin ich auf das lateinische Wort propheta bez. prophetes gekommen. Da aber dieses mit seinen zahlreichen Um- und Weiterbildungen(prophetis prophetissa; prophetia; pseudopropheta, pseudoprophetis; pseudoprophetia; propheticus, prophetialis; pseudopropheticus; prophetare) und seinen lateinischen Aequivalenten(praedicatriæ etc.) unter B fällt, so muss ich auf eine spätere Fortsetzung dieser Arbeit verweisen, in welcher zunächst die bei Tertullian auftretenden griechischen Fremd- und Lehnwörter besprochen werden sollen.

3. ε ροσπφρσασκσꝙ⁸ε.

Zum Beweise dafür, dass die Kinder schon im uterus ein gewisses beseeltes Dasein führen, beruft sich Tertullian De An. 25 auf einige grausame Massregeln der Aerzte, wonach

*¹⁶) Apol. 18: Quos diximus praedicatores, prophetae de officio praefandi vocantur.