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dieses terminus sich nicht von Quintilian entfernt, so wende ich mich, auf diesen ver- weisend, sogleich zum folgenden Worte. ¹¹⁴)
2. 6 ροꝓiτns. 4
Bei Gelegenheit desselben Streitpunktes behauptet Tertullian, dass von Paulus kein andrer Gott gepredigt werde, als es von Christus und vor Christus schon geschehen sei; dass die Lehrüberlieferung der Apostel als keine andre zu erkennen sei, als die, welche noch später bei den apostolischen Kirchen übermittelt werde. Marcion würde keine Kirche apostolischen Ursprungs(apostolici FW. census) finden können, welche nicht im Glauben an den Schöpfer den Grund ibres Christenglaubens finde(christianizet FW.) Wenn dem so sei, so könne die Kenntnis von dem Gott der Häretiker(haeretici FW. dei) nur aus der Scheidung von Gesetz und Evangelium herrühren und man müsse festhalten an dem, dass an keinen Gott zu glauben sei, den der Mensch sich auf Grund seiner eignen Empfindungen und Gedanken gebildet habe, es müsste denn gerade ein Prophet sein, d. h. ein Mensch, der nicht bei Sinnen wäre. ¹⁴⁵)
Es ist offenbar, dass Tertullian's Worte eine bittere Ironie auf Marcion enthalten sollen; denn, indem er von dem biblischen Begriffe eines Propheten ausgeht, wonach dieser im Wesent- lichen erscheint als einer, der, dem Drange des göttlichen Geistes folgend, den ihm innerlich eröffneten Willen Gottes, mit Beiseitesetzung eigner Reflexion, nach aussen in einer dieser Be- sitznahme seines Innern durch den göttlichen Geist entsprechenden, von seinem sonstigen Gebaren abweichenden Form entzückt verkündet, lässt er die Verkündigung Gottes durch solche gott- begeisterte(und menschlich entgeisterte) Sänger und Redner als zu Recht bestehend gelten. Wenn nun Marcion auch einen Gott verkündet, müsste er auch so gottbegeistert und menschlich entgeistert sein; da aber von Rechtswegen kein andrer, als der auch von jenen Propheten ver- kündete wahre Gott gepredigt werden kann, so kann Marcion, wenn er dennoch einen andern Gott verkündigt, nur als ein entgeisterter Mensch betrachtet werden, der seiner Sinne auch nicht mehr mächtig ist, aber so, dass er sie überhaupt»uicht mehr beisammen hat« und den Leit- stern der Vernunft nicht mehr besitzt, auf Grund von dessen natürlicher Anlage selbst Heiden eine Allgemeinempfindung(communis sensus) von dem Dasein eines Gottes besitzen.(Vgl. RP T. S. 56 ff. 62 f.) Es kann also Tertullian bei seiner Erklärung von αροꝓS½ne nicht von der im klassischen Heidentum gebräuchlichen Bedeutung dieses Wortes allein ausgegangen sein, wonach es bezeichnet 1. den in angeblich göttlichem Auftrage redenden Vorhersager des Zukünftigen, oder den Erklärer bez. Beurteiler der betreffenden Voraussagungen, 2. den Tempel- und Orakel- vorsteher, der den Besuchenden Weisungen über ihr Verhalten beim Zutritt zu den heiligen Orten erteilt, 3. den Verkündiger und Erklärer überhaupt(= unserm»Apostel«). Das geht auch aus De Marc. 5, 8 hervor, wo Tertullian den Marcion auffordert, er möge doch die Wir- kungen des Geistes Gottes in seinen Gemeinden durch bestimmte Merkmale nachweisen, z. B. einige Propheten aufzeigen, die aber nicht von menschlicher Empfindung aus(de humano sensu), sondern vom Geiste Gottes aus(de dei spiritu) geredet, das Zukünftige vorausgesagt, die verborgnen Falten des Herzens blossgelegt haben. Er solle doch einen Psalm(psalmum FW.),
144) Inst. Or. VIII, 6, 34: Eo magis necessaria- ατ⁴αeννα quam recte dicimus abusionem quae non habentibus nomen suum, accommodat quod in proximo est... abusio est ubi nomen defuit.
1⁴⁵) Marc. I, 21: et definitio superior instructa est, non esse credendum deum, quem homo de suis sensibus composuerit, nisi plane ρτπm‧, id est, non de suis sensibus.


