Aufsatz 
Die Grundsätze und Mittel der Wortbildung bei Tertullian : Fortsetzung / von G. R. Hauschild
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Taeaivey] zu verkehren, er muss sich von ihm unwillig abwenden[ãrorpénern und v εαινεν*], weil der Böse sich des auch in ihn gelegten Bildes Gottes nicht wert zeigt [obz deios ³y] und Gott sich dieser seiner Carricatur nur schämen müsste[aloiοονro dν]); sie wird substantivisch ausgedrückt durch indignatio und vom Apostel auch erlaubt, wenn sie auf vernünftiger Grundlage beruht, d. h. aus dem Eifer für Zucht und Lehre hervorgeht. ¹¹⁰) Jeder andere Unwille dagegen, der nicht in der durch unsre Schöpfung von dem guten Gott begrün- deten Lust und Liebe am Guten seine Würdigung und Berechtigu ng findet, ist vernunft- und naturwidrig und darum verwerflich. 141)

Wenn aus Anm. 109 hervorgeht, dass die von Hieronymus einer Prüfung und Sichtung unterzogene und seitdem als»Vulgata« bezeichnete»Itala« für Lvude auch ira gebraucht, so werden wir uns nicht wundern dürfen, dass Hieronymus bei gegebner Gelegenheit von dem tertullianischen indignativum absieht und dafür, bei dem von ihm geteilten Streben nach mög- lichst wörtlicher Uebersetzung, seinerseits eine Neubildung einsetzt, um Plato's Svνν auszudrücken, ebenso wie er bei seinem anderweit geäusserten puristischen Streben auch für Tertullian's concupiscentivum eine Neubild ung einsetzt. 1¹²) Wenn unter diesen Neubildungen die zweite insofern annehmbarer(concupiscitivum) erscheint wie Tertullian's concupiscentivum, als sie vom präsentischen Participialstamm absieht, so müssen doch beide insofern als die Bildungsgesetze der lateinischen Sprache überschreitend bezeichnet werden, als sie sich weder an den reinen Verbal-, noch an den Supinstamm anlehnen, sondern beide Bildungsarten mit- einander vermischen. Das Richtige wäre doch irascivus oder irativus, concupiscivus oder concu- pitivus gewesen. Dass concupiscivus auch einmal gebildet worden sein muss, darauf führt das italienische concupiscivo, man müsste denn annehmen, dass dieses aus einer Verstümmelung der hieronymianischen(oder tertullianischen) Neubildung hervorgegangen sei. Im Auschluss hieran darf ich auch hier wieder auf die Wichtigkeit des Kirchenlatein für den Wortschatz der romani- schen Sprachen in der Beziehung hindeuten, dass concupiscentia im Franz. und Engl. als concu- piscence, im Engl. auch in concupiscential, im Italien. als concupiscenza, u. s. w., noch erhalten ist.

6. uerolzia.

Im 28.— 31. Capitel seiner Schrift De Anima wendet sich Tertullian gegen»das kosmo- logische Gesetz des Ueberganges der Gegensätze in einander, wonach, wie die Lebenden zu Toten, so die Toten wieder zu Lebenden werden müssen«(Ueberweg, Grundriss der Gesch. der Philos. I³ S. 129), welches von Plato im Phädon 70(D) ff. als erstes der objectiven Argumente zur Stütze der Lehre von der Unsterblichkeit der Seele beigebracht wird. 113) Nachdem er im 28. Capitel den frommen Betrug, dessen sich Pythagoras, der angebliche Urheber dieser Lehre, zur Stütze derselben durch siebenjähriges Verweilen an einem unterirdischen Orte(Subterraneum

¹1¹⁰) An. 16: Concedit et indignationem. Quidni quam et ipse suscepit? Rationalis est indignatio, quae ex affectu disciplinae est.

*u3) Ib.: At quum dicit: fuimus aliquando natura fllii irae(usda rérre pogei d„*⁸ο) irrationale indignativum suggillat quod non sit ex ea natura quae a deo est, sed ex illa quam diabolus(FW.) induxit.

11²) Hier. in Ezech. 1, 1, 7: Plerique juxta Platonem rationale animae et irascitivum et concupi- scitivum quod ille Xo†οιαν oet Su⁴μαχα⁶νν et enunrird vocat, ad hominem et leonem ac vitulum referunt.

2¹⁵) Er nennt es bald ille sermo de animarum reciproco discursu quod hinc abeuntes eant illuc, et rursus huc veniant et vivant, et dehinc e vita abeant, rursus ex mortuis effici vivos— bald bezeichnet er es als Lehre animarum de recidivatu(NB.) revolubili semper ex alterna mortuorum atque viventium sufectione(NB.)