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Gut und Böse schwankt und durch die Einhaltung einer gleichmässigen Entfernung von beiden Extremen eine grosse Mässigung(moderatio) und Bescheidenheit(modestia) und gerechte Wür- digung der Verhältnisse(justitia) zeigt[Herm. 41], dürfen wir gewiss einen Beleg dafür erblicken, dass Hermogenes nicht nur der Materie Beseelung zugeschrieben, sondern auch die Ent- stehung der menschlichen Seele als ein bei Gottes Annäherung erfolgtes Heraustreten scelischer Elemente aus der Materie, als eine durch Gottes Erschei- nung herbeigeführte Sammlung und Vereinigung derselben zu einem Ganzen angesehen haben muss.
Dass Hermogenes in der Trägheit und Gleichmässigkeit bez. Ruhe der Bewegung das Körperliche, in der Ruhelosigkeit der Bewegung aber das Unkörperliche, d. h. das Seelische der Materie erblickt habe, scheint mir aus dem 36. Capitel der gegen ihn gerichteten Schrift hervorzugehen, wo Tertullian sagt:»Wer gibt dir zu, die Bewegung als zweiten Theil der Substanz zu betrachten, da sie gar nichts Substantielles, weil nicht Körperliches ist, sondern etwas zu Substanz und Körper zufällig Hinzutretendes?... Selbst wenn sich etwas von sich selbst bewegt, so ist seine Bewegung eine Handlung, aber nicht ein Theil der Substanz, wie du die Bewegung zur unkörperlichen Substanz der Materie machst. Alles wird entweder von sich selbst bewegt, wie die beseelten, oder von andern, wie die unbeseelten Dinge; doch werden wir weder einen Menschen noch einen Stein sowohl körperlich als unkörperlich nennen, weil er sowohl einen Körper wie Bewegung hat, sondern wir legen Allen die eine Form der Körperlichkeit allein bei, welche ein Zeichen der Substanz ist; und wenn einiges Unkörperliche dabei ist, wie Handlungen, Pflichten, Leiden, Begierden, so machen wir diese nicht zu Theilen jener. Wozu dient es also einen Theil der Materie auf die Bewegung zu verpflanzen, die doch gar nicht zur Substanz gehört, sondern nur ein Verhalten der Substanz bezeichnet?« 1⁰). Wir irren wohl nicht, wenn wir hier des Hermogenes Ansichten auf die Plato's über die selbständige Bewegung und damit zusammenhängende Unkörperlichheit der Seele zurückführen. ¹⁷)
2. Tertullian's Gründe gegen diese Ansicht.
Warum Tertullian, ganz abgesehen von seinen sonstigen Gründen für eine andere Entstehungsweise der Seele, gegen den Ursprung derselben aus der Materie sich aussprechen musste, können wir uns erklären, wenn wir die Polemik Tertullian's gegen des Hermogenes Materie(in der Schrift adversus Hermogenem) auch auf deren— von Hermogenes angenommenes— Ingredienz, die Seele, aus- dehnen; denn
1. Wäre die Materie von jeher beseelt, so würde auch die Seele, ebenso wie die Materie, als nicht geboren, nicht gemacht, ewig, ohne Anfang und ohne Ende bezeichnet werden müssen. Da aber diese Attribute Prärogative Gottes allein sind, so kann die Seele ebensowenig von jeher dem Körper zu Grunde gelegen haben, wie die Materie der Welt(Herm. 4 u. 33). Gott ist vielmehr allein der erste(Herm. 18).
2. Wäre die Materie ewig und ungeboren, so dürfte sie keiner Verringerung oder Erniedrigung fähig sein(Herm. 7), müsste vielmehr Gott an Rang und Grösse völlig gleich-
¹6) Herm. 36 in med. usque ad fin. ¹1) Cf. infr.»Die Körperlichkeit der Seele als naturale im engeren und weiteren Sinn.- 2


