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seiner antithetischen Aussagen(contrarietates) über die Materie gebührendes Licht, in der hier- nach ebensowenig ein Widerspruch zu finden sein wird. Hermogenes behauptet nämlich weiter:
3. Die Materie ist gestaltlos ¹⁰) und geht der Unförmigkeit nach, ¹¹) sehnt sich aber doch auch nach Gestaltung. ¹²) Nach dem Bilde vom siedenden Wasser, welches Hermogenes anwendet, um seine Ansichten über die Materie zu veranschaulichen(8. A. 9), scheint mir nun die Ruhelosigkeit ihrer Bewegung darin zu liegen, dass sie fortwährend in Wallung nach oben drängt zur Gestaltung, während die Gleichmässigkeit derselben darin zu suchen wüäre, dass sie ebenso fortwährend ohnmächtig wieder in sich zurückkehrt(abgesehen davon, dass auch die fortwährend geäusserte Sucht nach Gestaltung das Moment der Gleichmässigkeit der Bewe- gung enthält). Dass diese Auffassung von Hermogenes“ Ansichten die richtige ist, zeigt die vierte seiner Antithesen:
4. Danach ist die Materie von Natur weder ganz gut: denn dann würde sie nicht nach der ordnenden Thätigkeit Gottes verlangen, noch ganz böse: denn dann würde Gott mit seiner ordnenden Thätigkeit nicht auf sie einwirken, sie aber der hierdurch herbeigeführten Umgestaltung zur Besserung haben widerstreben können. ¹⁵)
Die Selbständigkeit und Ewigkeit der Bewegung hat die Materie mit Gott gemein, ¹⁴) nur mit dem Unterschied, dass dieser sich in geordneter Weise bewegt. Von ihm gebildet und gestaltet(formari), beruhigt und geordnet(componi), veredelt und kunstvoll bereitet zu werden (exornari), ist darum das Bedürfniss, das Verlangen, die Sehnsucht der Materie. Dieses Bedürfniss der Materie muss Gott befriedigen, diese Sehnsucht stillen; er muss es, weil er der gute, Ruhe und Ordnung liebende Geist ist; er thut es, indem er ihr erscheint, sich ihr naht, aber nicht, indem er sie berührt, oder gar, wie die Stoiker sagen, durchläuft(wie der Honig die Waben), sondern indem er auf sie wirkt, wie die Schönheit durch ihre Erscheinung allein den Geist erregt oder wie der Magnet durch seine Annäherung allein das Eisen anzieht. ¹⁵)
Darin aber, dass die Materie von Ewigkeit her das Bedürfniss(desiderium) nach Ord- nung und Gestaltung fühlt, nach eignem Willen(suo arbitrio) bis zur Entscheidung zwischen
¹⁰) Herm. 30: Vanissimum denique, ut materia, quae informis inducitur, de tot formarum vocabulis informis adseveretur, etc.
11) Herm. 42: Inconditum adseveras motum materiae eamque adjicis sectari informitatem.
¹²) Herm. 42: Dehinc alibi, desiderare componi a deo. Desiderat formationem, quae sectatur informitatem?
¹3) Herm. 37:— nec bonam nec malam allegas,— si enim, inquis, esset bona, quae semper hoc fuerat, non desideraret compositionem dei; si esset natura mala, non accepisset translationem in melius, nec quicquam compositionis suae applicuisset illi deus tali natura; in vacuum enim laborasset. Ib. 43: Finisti igitur duas sententias, nec materiam natura malam, nec naturam ejus a deo potuisse converti. Horum immemor postea infers: at ubi compositionem accepit a deo et ornata est, cessavit a natura.
¹⁴) Cf. Marc. 1, 15: materia innata, infecta et contemporalis deo.
¹⁵) Herm. 42: Non vis videri deum aequari materiae, et subjicis, habere illam cum deo communionem. Impossibile enim, inquis, non habentem illam commune aliquid cum deo, ornari eam ab ipso.— Commune autem inter illos facis, quod a semet ipsis moveantur et semper moveantur.— Totum consortium divinitatis hoc erit, libertas et aeternitas motus. Sed deus composite, materia incondite moventur. Tamen divinum proinde, motu proinde libero et aeterno. Ib. 44: At tu non, inquis, pertransiens illum fecit mundum, sed solummodo apparens et appropinquans ei, sicut facit quid decor solummodo apparens et magnes lapis solummodo appro- pinquans. Vergl. hierzu: Decorem naturaliter invitatorem libidinis scimus; accusandus decor non est, ut felicitas corporis, ut divinae plasticae accessio, ut animae aliqua vestis urbana. C. F. II, 2.


