Aufsatz 
Tertullian's Psychologie und Erkenntnisstheorie / dargest. von G. R. Hauschild
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getreten sein lässt,) schliessen, dass Hermogenes' Lehre von der Entstehung der(Menschen-) Seele mit seiner Anschauung von der Bewegung der Materie zusammenhing. Deutlicher wird das noch aus einer Stelle in der gegen die Valentinianer gerichteten Schrift Tertullian's. Dort stellt er dar, wie der Soter mit grosser Sorgfalt die unreinen Auswüchse der leidenschaft- lichen Achamoth aus ihr ausscheidet und dieselben, massig verdichtet, in die nach Körperlichkeit strebende Materie hinabwirft, welche nun in Folge der ihr jetat eingegebenen Leidenschaft(die aber doch nach Valentin unkörperlich sein sollte!) ihr Gebaren und ihr Wesen verändert, so dass sie bald zu einander widerstreitenden Reihen von körperlichen Gestaltungen gelaugen konnte...»Das wird«, sagt nun Tertullian,»dieselbe Materie sein, welche uns schon mit Hermogenes und allen Andern zusammengeführt hat, die von vornherein annehmen, dass Gott alles aus der Materie, aber nicht aus Nichts hervorgebracht habe.«)

Von dieser Materie nun lehrte Hermogenes:

1. Auf den ersten Anblick scheint uns die Materie unkörperlich zu sein; wenn wir sie aber genauer betrachten, weder körperlich noch unkörperlich,*) doch muss auch letztere Bestimmung noch genauer dahin eingeschränkt werden, dass die Materie weder ganz körper- lich noch ganz unkörperlich sei: denn wäre die Materie nur Körper, so würde ihr nichts Unkörperliches, d. h. die Bewegung, vorkommen; würe sie aber ganz unkörperlich, so könnte kein Körper aus ihr werden. Die Materie hat also etwas Körperliches: das, woraus die Körper entstehen, und etwas Unkörperliches, das ist ihre ungeordnete Bewegung.) Aber die Ungeordnet- heit der Bewegung ist ebensowenig eine für sich allein genügende Bestimmung der Materie, wie die Unkörperlichkeit.-

2. Während die Bewegung der Materie vielmehr einerseits als ungeordnet und ruhelos bezeichnet wird, gilt sie auf der andern Seite doch auch als träge und insofern als gleichmässig, als sie weder zum Guten noch zum Bösen sich neige. ²) Ein Widerspruch, wie Tertullian ihn behauptet, scheint mir hierin nicht zu liegen; vielmehr steht diese Behauptung des Hermogenes mit der ersteren nicht nur in Einklang, sondern wirft auch auf eine andere

) An. 1: Ex materiae suggestu constitisse praesumpsit.

) Val. 16: Atque ita massaliter solidata(vitia) defixit seorsum in materiae corporalem paraturam, commutans ex incorporali passione indita habilitatem atque naturam, qua pervenire mox posset in aemulas aequiparantias corpulentiarum,... Haec erit materia, quae nos commisit cum Hermogene ceterisque, qui deum ex materia, non ex nihilo, operatum cuncta praesumunt. Cf. Ib. 24: Demiurgus substantiam homini capit ex invisibili corpore materiae illius, scilicet philosophicae, de fluxili et fusili ejus, quod unde fuerit haud queo aestimare, quia nusquam est.

²) Herm. 35: Prima facie videtur nobis incorporalis esse materia, exquisita autem ratione recta inve- nitur neque corporalis neque incorporalis.

) Herm. 36: Alia ratio ei occurrit, ex parte corporalem renuntians materiam et ex parte incorporalem. Corporale enim materiae vult esse, de quo corpora edantur, incorporale vero inconditum motum ejus. Si enim, ait, corpus tantummodo esset, nihil ei incorporale appareret, i. e. motus; si vero in totum incorporalis fuisset, nullum corpus ex ea fieret.

²) Herm. 41: Inconditus et inconfusus et turbulentus fuit materiae motus. Sic enim et ollae undique ebullientis similitudinem apponis. Et quomodo alibi alius a te affirmatur? Cum enim vis materiam nec bonam nee malam inducere, igitur, inquis, subjacens materia, aequalis momenti habens motum, neque ad bonum neque ad malum plurimum vertit. Ib. 43: Nam secundumollae similitudinem sic erat, inquis, materiae motus, antequam disponeretur, concretus, inquietus, incomprehensibilis prae nimietate certaminis. Dehinc subjicis: stetit autem in dei compositionem, et inapprehensibilem habuit inconditum motum prae tarditate inconditi motus.