Aufsatz 
Geschichte der Anstalt von 1837-1887
Entstehung
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Berufen ſich die Anhänger des humaniſtiſchen Gymnaſiums auf deſſen lange und glänzende geſchicht⸗ liche Entwickelung, ſo wird von Seiten der Verfechter des Realgymnaſiums auf die gebieteriſchen Forde⸗ rungen der modernen Wiſſenſchaften hingewieſen und auf die gewiß beachtenswerte Thatſache, daß die Realgymnaſien, trotz der Ungleichheit der Berechtigungen und trotz der, namentlich in den oberen Klaſſen, anerkannt meiſt ungünſtigeren Zuſammenſetzung des Schülerkreiſes, doch fortwährend Abiturienten entlaſſen, die ſich in den ihnen zugänglichen Gebieten neben den Zöglingen der älteren Anſtalten im ganzen mit Ehren behaupten. Fordert die humaniſtiſche Richtung ſtrengſter Obſervanz das Zurückdämmen der Realſchulen in ihr altes Bette, ihre Herabdrückung zu dem was ſie anfänglich geweſen, nämlich zu bloſen Vorbereitungs⸗ anſtalten für das praktiſche Leben, ſo erhebt die Partei der Realſchulmänner den Anſpruch, daß mindeſtens die mediziniſche und die juriſtiſche Fakultät ſich ihren Schülern erſchließen müſſe. Wer möchte ſich ver⸗ meſſen, heute, da unſer höheres Schulweſen unverkennbar in einem Gährungsprozeß mitten darin ſteht, mit Sicherheit vorauszuſagen, welche Löſung dieſe Fragen finden werden?

Leibniz unterſcheidet in der Entwickelung der Wiſſenſchaften drei Perioden; die der ſcholaſtiſchen Philoſophie, die des Humanismus und die der mathematiſch⸗naturwiſſenſchaftlichen Beſtrebungen, welche freilich, um nicht, gleich den beiden früheren, unerſprießlicher Einſeitigkeit zu verfallen, der Ergänzung durch ſprachliche Studien, durch Poetika und Logika bedürfe. Sie ſei für andere Culturnationen ſchon angebrochen, für das deutſche Volk aber gehöre ſie noch der Zukunft an*). Berührt dieſe Unterſcheidung nicht faſt wie eine prophetiſche, Gutes verheißende Hindeutung auf Schulen von dem Charakter unſeres Realgymnaſiums?

Doch was auch die Zukunft bringen möge, die Stellung, die wir, die Lehrer an Realanſtalten, mitten in dem tobenden Widerſtreit der Meinungen für jetzt einzunehmen haben, ſcheint mir klar bezeichnet. In jeder dem Realgymnaſium zugeſtandenen Berechtigung werden wir einen lebendigen Antrieb zu erblicken haben, mit Einſatz aller Kraft dahin zu wirken, daß man niemals und nirgends als einen nationalen Nachteil zu beklagen Grund habe, ſie zugeſtanden zu haben, daß man vielmehr zu weiteren Zugeſtändniſſen ſich an maßgebender Stelle ermutigt fühle. Unſere Loſung wird das ſchöne Wort A. Scholtzes bleiben müſſen: Wir arbeiten am beſten für unſere Schule, wenn wir in ihr gut arbeiten.

*) Vergl. A. Scholtze, die Anfänge des deutſchen Realſchulweſens. I

Nooͤnagel.