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humaniſtiſcher Gymnalialpädagogik noch heute lelenswert. Sie behandelt vor allem die Ausbildung des poetiſchen Sinnes bei den Schülern, wofür Anregung zur Selbfttätigkeit am wirklamſften ſei. Er weiß wohl:„bei Vielen kann der Zweck nicht in ſeiner Allgemeinheit erreicht werden“; aber er meint:„dieſes rechtfertigt nicht die eingeſchränkten Ablichten, die man häufig an ſeine Stelle ſetzt“. Auch ilt er überzeugt:„Faft jedes Individium muß auf eigene Weile angewielen und aufgefordert werden. Die Maxime gilt uns hier wenig und falt alles die Ausübung. Denn wir zweifeln nicht, daß in dem Lehrer ein gewilſer Kunſtſinn der Menſchen- bildung ſein müfſe, und Kunftſinn fragt wenig nach Regeln; er findet ſie durch ſich ſelbft über dem Werke“. Er ver- gleicht geradezu die Tätigkeit des Lehrers mit dem Schaffen des Künſtlers:„wobei lowohl die ſchönen Naturen, zu denen keine Kunſt etwas Welſentliches hinzutun könnte, durch ſeine Hand gehen, als auch die weniger trefflichen der Ablicht des Ganzen dienſtbar gemacht werden“. Wohl herrlche das Vorurteil, die Gelchmacksbildung lei„eine Art Luxus“, aber er kann lich mit denen nicht verlftändigen, welche die „Bequemlichkeit eines ordinären Fortkommens dem oft äußerlich gedrängten Studium und willenſchaftlichen oder Kunſtleben vorziehen“. Als wertvollftes Ergebnis der Gelchmacksbildung betrachtet er den„in das ganze Leben einfließenden Geiſt der Poelie: Richtig und tief fühlen, klar anſchauen, den Ereigniſſen, die uns angehen, Geltalt ablehen und Geltalt geben, das Gemeine verachten, für das Treffliche glühen, das Große, Schöne, Heitere, Naive, das Tiefluftige und Scherzhafte... empfinden, die wahre Freiheit gewinnen, die den Staaten ſo erſprießlich, als Iklavilcher Sinn und ſein mechaniſches Tun verderblich ift....“„Die Poelie giebt einen höheren Begriff als die gewöhnlichen Geſchäfte, ohne uns denſelben zu entziehen, lo wie uns die Religion dem irdilcnen Leben dadurch nicht entreißt, daß ſie unſerem Blick ein Ueberirdilches aufſchließt und uns in die Myfterien des Unendlichen aufnimmt“. So wenig aber Welcker geneigt war, mit Rücklicht auf den geiltig genügſamen Durchſchnitt höheren und feineren Bildungszwecken zu entlagen, ſo wenig meinte er, daß„man alle zu allem führen lollte“, viel- mehr war er der Anlicht, daß der Lehrer„mit größtem Vorteil von der Regelmäßigkeit mancher Lektionen viel nach- geben könne, wenn ein fruchtbares, unzerſplittertes Selblt- ſtudium gedeihe“.


