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Arbeiten aus der damaligen Zeit legen Zeugnis ab von feinem Beſtreben, den Unterricht nutzbar zu machen für die Anregung und Läuterung der Phantaſie und des poetilchen Geiſtes, der, wie er meinte, in aller Iugend lebe. Die„kleine lyrilche Anthologie, vorzüglich für Declamierübungen der oberen Klaſſen in Gymnalien“ von 1809 und das Pädagog- Programm von 1810:„Bemerkungen über einen wichtigen Gegenſtand des Unterrichts in Gymnalien“.“ In der Vorrede zu der erften Schrift ſagt er:„Das Poetilche und Lebendige ſollte allem anderen vorgehen und in großer Mannigfaltigkeit nebeneinander ſtehnen. Das muntere volle Leben ſoll ja in der jugend nicht ängſtlich zurückgedämmt, ſondern auf die freie Trift des Schönen, Reinen, Genialen hervorgeleitet, und ſie nur an den Stellen unvermerkt geſchützt und bedeutet werden, wo ſie ſich vielleicht in Tiefen unkundig verlieren möchte“. Die zweite Schrift ilt als Zeugnis edler neu-
treten zu laſſen. Nun regte lich aber umſo mächtiger die Sehnſucht nach ltalien. Am 1. Auguft 1804 tritt er einen, zunächſt halbjährigen Urlaub an. Der noch nicht 22jährige Jüngling reift ſüdwärts,„das Herz voll von ſchlafenden und wachen Hoffnungen und voll von lockenden und leuchtenden Bildern antiker Größe und ſüdlicher Schönheit“. Nach langen Wanderungen in der Schweiz trifft er am 1. November in Rom ein. Bei Wilhelm von Humboldt, der als preußiſcher Geſandter zugleich die Stellung eines hefſen-darmftädtiſchen Minifterreſidenten bekleidete, findet er die freundlichfte Aufnahme. Da der Hauslehrer der Kinder Humboldts gerade ſeine Stelle verließ, ſo trat er auf Humboldts Bitte, der eine Verlängerung ſeines Urlaubs erwirkte, für ihn ein. Bald verband ihn ein dauerndes Verhältnis lebhafter Hochſchätzung und inniger Freundſchaft mit Humboldt und ſeiner Gemahlin. Und neben dieſen beiden, in denen lich die edelſte Blüte vergeiftigten Menſchentums darftellte, fand er in ihrem Hauſe einen Kreis, wie ihn Rom nicht leicht ein zweites Mal geſehen hat: Zoega, Thorwaldſen, Rauch gehörten dazu.
Im Frühjahr 1808 nimmt Welcker leine Tätigkoit am Gießener Pädagogium wieder auf; im Oktober 1809 erhält er außerdem eine ordentliche Profeffor für griechilche Archäologie und Litteratur. Auf ſein Betreiben wurde auch 1812 das philologiſche Seminar eingerichtet. Die liebfte Tätigkeit war ihm aber der Unterricht am Pädagogium, zu deſſen zweiten Lehrer er während ſeiner Abweſenheit in ltalien aufgerückt war. Er beſchäftigte ſich belonders gern mit den älteren Schülern, mit denen er in Nebenſtunden Nibelungen las und ltalieniſch trieb.(Die näheren Belege für das Vorſtehende finden ſich bei Rein- hnard Kekule,„Das Leben Fr. G. Welckers“, Leipzig 1880, worauf ich auch für die biographiſchen Angaben des Textes verweile. Ferner iſt benutzt der Auflatz von R. A. Fritzſche,„Fr. G. Welcker in Gießen“, Ludoviciana Nr. 6, S. 83 ff., in dem auch ungectrucktes Material verwertet ilt.)
Wieder abgedruckt in Welckers„Kleine Schriften“, Band V, Elberfeld 1867.. 1.


