Aufsatz 
Geschichte des Landgraf-Ludwigs-Gymnasiums zu Giessen / von August Messer
Entstehung
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Perlſönlichkeit, ein Menſch von feinſter Empfindſamkeit und doch von ſtarker, ja trotziger Selbftbehauptung; ein Vertreter ſtreng wiſſenſchaftlichen Geiſtes und dabei von tiefer Empfänglichkeit für das Schöne in Natur und Kunſt, und von warmherziger Teilnahme für ſeine Studenten und Schüler; wie ſein Freund Wilhelm von Humboldt aus dem Studium der Griechen die Begeifterung für das Ideal der Humanität ſchöpfend und doch von glühender Vaterlandsliebe.Welcker war mit ganzer Seele Lehrer; er ſetzte im Verkehr mit den Schülern ſeine ganze Perlfönlichkeit ein, die ſelbſt noch jugendlich friſch und kühn vorwärts ſtrebte. Die Jugend- bildung ſchien ihm eine edle und hohe Aufgabe, die das Befſte und Höchfte für ſich beanſpruchen müſſe. Eine Altertumskunde, als letztes Werk des größten Kenners im klalſilchen Geifte gelchrieben, ein wahres Kunſtwerk das war ſein ldeal eines Lehrbuchs für Gymnaſien. Zwei

wohin lein Vater 1786 kam, wuchs er auf. Er wurde lediglich von ſeinem Vater und ſpäter von einem trefflichen Hauslehrer unterrichtet. Infolge ſeiner hervorragenden Anlagen machte er ſolche Fortſchritte, daß er ſchon im Frühjahr 1801 mit 16 ½ Jahren die Univerſität beziehen konnte. Er ſelbft erzählt in einer im Alter niedergeſchriebenen Selbftbiographie, daß ihn ſein Vater zu dem damaligen Gießener Pädagogiarchen Roos brachte, der ſchon vorher eine von ihm verfertigte Ueberſetzung derBatrachomyomachie kennen gelernt habe.Er ließ mich eine horazilche Ode erklären und ſchien eine Antwort treffend zu finden, die ich ihm mit den 3 Verſen derIlias gab, die Phidias zum Zeus begeiftert haben ſollen. Als ich ihm bald darauf mit einem Verſe aus dem erſten Hymnus des Kallimachos antwortete, brach er ab und erklärte verwundert, daß ich nach dem Stande der Kenntniſſe und dem gegenwärtigen der Schule zweckmäßiger gleich Student werden lolle. Man ſieht: dieles Abiturientenexamen erftreckte ſich lediglich auf die alten Sprachen; und ſo dürfte es damals noch meift geweſen ſein.

Welcker ſtudierte nunmehr in Gießen, hörte belonders theologiſche Vorleſungen und predigte auch einigemal. Schon nach 2 Jahren, im Frühjahr 1803, übernahm er, noch nicht 19jährig, auf Wunlſch des Pädagogiarchen Roos den Unterricht in der neugebildeten Quarta; ein kleines Examen, das dazu nötig war, beſtand er mit Leichtigkeit. So zufrieden ich mit dieſer meiner Stelle war, erzählt er,ſo trieb mich dennoch ein Vorgefühl davon, zu ſchwierigeren Aufgaben berufen zu ſein, dazu in der philoſophiſchen Facultät zu promovieren, um Vorleſungen zu halten. Am 23. l)ezember 1803 erhielt er die Doktor- würde und die venia legendi.Daß ich bei Privatvorleſungen an claſſiſche Philologen nicht denken konnte, ift ſelbſtverftändlich, nur auf theo- logiſche Zuhörer konnte ich rechnen. So beſchäftigen ſich denn ſeine Vorleſungen mit dem alten und neuen Teſtament. Aber die Liebe zum klaffiſchen Altertum, die ſchoon im Vaterhaulfe ſo tiefe Wurzeln in ihm geſchlagen, trieb ihn doch dazu, bald neben die theologiſchen Vorleſungen, ſolche über Platons Sympoſion und Aeſchylus' Prometheus