Aufsatz 
Geschichte des Landgraf-Ludwigs-Gymnasiums zu Giessen / von August Messer
Entstehung
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Lehrer wurden erhöht. Man drang auch auf allmähliche Trennung von Präzeptorat und Profelſſur, die bis dahin vereint bekleidet werden konnten. Fonds für Schülerprämien, phyſikalilche und mathematiſche Lehrmittel und die Bibliothek wurden geſtiftet. Auch ein neuer Lehrplan wurde gegeben. Deutſch erhält in allen Klaſſen 2 Stunden; in Quarta bis Sekunda iſt Naturgeſchichte aufgenommen(mit 2, 2, 1 Stunden), in Prima 1 Stunde Naturlehre(Phyſik); Zeichnen wird in einer Abteilung zweiſtündig gelehrt.)

Sind alle diele Neuerungen der Aufklärungs-

Beginnen pädagogik entſprechend, Io zeigt lich doch auch desNeu- ſchon die Einwirkung einer neuen geiltigen numanis- Strömung, des Neuhum anismus, jener neu erwachten Wertſchätzung des Altertums, belonders

des Griechentums. In Prima werden 2 beſondere Stunden für den Unterricht in Mythologie, griechiſchen und römiſchen Altertümern, alter Geographie und Litteratur eingeführt. Man will allo und das iſt das Ziel des Neuhumanismus das Altertum lelbſt und nicht mehr bloß die alten Sprachen kennen lernen. Der Beginn des Griechiſchen, ſdas bei der Reform von 1775 auf Sekunda und Prima beſchränkt worden war, wird wieder nach Tertia verlegt Unter den zu leſenden Schriften erlcheint neben dem Neuen Teſtament eine Chreſto- mathie und Homer. Auch hier ſpürt man das Wehen eines neuen Geilftes. Die dichterilche Größe Homers war ja erft wieder entdeckt worden. Gewiß iſt der Raum, den das Griechilche damals mit ſeinen 3 Wochenſtunden einnahm, noch beſcheiden, aber die Bedeutung eines Fachs für die geiſtige Bildung der Schüler hängt ja nicht allein von der Stundenzahl ab. Das Gießener Pädagogium aber hatte das Glück gerade in dem Jahre 1803, wo der neue Lehrplan in Kraft trat, einen jungen Mann in die Zahl ſeiner Lehrer aufzunehmen, der zu den genialſten Vertretern des

weicker. Neuhumanismus gehörte Friedrich Gottlieb Welcker.3 Er war eine innerlich überaus reiche

1 Vgl. Diehl II, 157 und I. 404 ff.; übrigens zeigt ſchon der 402 ff. abgedruckte Stundenplan die meiſten der oben angeführten

tunden.

Für den damaligen Zuſtand der Anltalt ilt eine weitere Quelle das Programm der Anſtalt von 1809: Friedrich Karl Rumpf,Ueber- ſicht der gegenwärtigen Einrichtung des Pädagogs zu Gießen.

2 So übrigens ſchon im Lehrplan von 1801(Diehl I, 402), jedoch iſt die Zahl der Wochenſtunden, die damals 2 beträgt, auf 3 vermehrt.

3 Welcker war am 4. November 1784 in Grünberg, wo ſein Vater damals Prediger war, geboren. Im Pfarrhaus von Oberofleiden,