Aufsatz 
Geschichte des Landgraf-Ludwigs-Gymnasiums zu Giessen / von August Messer
Entstehung
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Was die Veränderungen im Lehrplan ſelbft betrifft, ſo wurde Franzöſilch eingeführt, das ſeither freilich ſchon pri- vatissime neben dem(talieniſchen erlernt werden konnte. Ein franzöliſcher Maitre wird für dielen Unterricht angenommen. Rechnen wird jetzt ſchon in den unterſten Klaffen gelehrt. Ein belonderes FachAeſthetik erſcheint in allen Klafſen. In Prima wird darin ein BüchleinGrundſätze des guten Geſchmacksz durchgenommen.In Anſehung der Oratorie werden Regeln und praktilche Ausarbeitungen mit einander verbunden. In den beiden anderen Klaſſen wirdAeſthetik durch das bloße Lefen und die Erklärung deutſcher klafſilcher Schriftfteller beygebracht; damit haben wir denn zum erſten Mal einen beſonderen deutlchen Unterricht an der Anltalt. Allerdings hatte man ſchon vorher ſo nach dem Lehrplan von 1769 und 1773³teutſche Reden am Ende des Monats zuweilen halten lallen,auch fleißig die beſte teutlche Schrifften zum Lelen recommandirt(wodurch man leichter als durch eine teutſche, zur Fertigkeit in dieler Sprache gelangen möchte). Endlich war man, wie die genannten Lektionskataloge verſichern, beſtrebt, die Ueber- ſetzung der fremden Autoren für die Uebung in der Mutter- ſprache nutzbar zu machen. Die lateinilche Lektüre ſelblt ilt ſehr vereinfacht. Während in dem Lehrplan von 1773 nicht weniger als 9 Dichter und 8 Proſaiker aufgezählt werden, lind jetzt nur an Dichtern Horaz, Vergil, Ovid, Phaedrus, an Proſaikern Curtius, Cicero, Cornelius Nepos, daneben freilich noch eine Chreſtomathie genannt. Griechiſch und Hebräiſch wird nicht mehr wie noch 1773 in allen Klalſen gelehrt, londern Griechilch ilt auf Sekunda und Prima, Hebräiſch auf Prima beſchränkt.

Trotz dieſer Umgeltaltungen ſcheint ein wirklicher Auf- ſchwung des Pädagogs nicht erfolgt zu lein;: auch nicht als 1783 Benner geſtorben war und nach einer kurzen Amtszeit

Aehnlich verfuhr man z. B. bei gleichzeitigen Reformen im Kurfürſten- tum Mainz, vgl. meine SchriftDie Reform des Schulweſens im Kur- fürſtentum Mainz unter Emmerich Joſeph, Mainz 1897, S. 110 ff. Doch ſuchte man dort ſchon einen etwas weiter gehendenlateinlofen Unterbau einzuführen.

Vgl. den Lektionskatalog von 1775, bei Diehl I, 313 ff. ²2 Vgl. dazu Diehl II, 332.

3 Abgedruckt bei Diehl I, 274 ff., 280 ff.

4 Vgl. für das Folgende Diehl II, 155 ff.