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Ueberhaupt lollte darauf gelehen werden,„daß die jungen Leute mehr durch Vorftellungen und Ehre, als durch häufiges Schlagen gelenkt werden mögten“. Die Verlſetzungen der Schüler ſollten„nach Verdienſten, inſonderheit nach dem Fort- gang im Latein“ vorgenommen werden,„zu welcher Ablicht das logenannte Certiren unter den Schülerni zwar bey- behalten, jedoch vorzüglich die Fehler, die in einem jeden halben Jahr in den lateiniſchen Exercitiis gemacht werden, aufgeſchrieben und darnach die Translokation eingerichtet werden ſollte“. Den Lehrern follte eine„hinlängliche Inftruktion lo wohl über die Sachen, die ſie zu unterrichten hätten, als auch über die Methode erteilt werden“, zu deren Abfafſung ſich Profelfor Köfter erbot. Das log.„Fachfyſtem“ wurde ein- geführt, nach welchem Schüler in verſchiedenen Fächern verſchiedenen Abteilungen angehören können; auch konnte leicht von einzelnen Fächern Befreiung eintreten, damit „Leute, die nicht ſtudieren wollten, doch aus der Schule Nutzen ziehen könnten, ohne mit unnötigen Lektionen als z. B. Griechiſch oder Hebräilch aufgehalten zu werden“.² Das Pädagogium ſollte alſo zugleich als eine Art Realſchule dienen. Endlich wurden auch zeitgemäße Lehrbücher ein-
geführt.
1 Die Einrichtung, daß ſie je nach den Leiſtungen einen höheren oder niederen Platz erhielten. Sie wird auch 1693 erwähnt; Schädel, Beiträge, 8.
² So Köfter, vgl. Diehl I, 290.
3 Das Bedürfnis nach ſolchen wurde ſchon damals lebhaft empfunden. So entwarf im Jahre 1778 der Lehrer am Pädagog Karl Philipp Michael Snell eine„Bekanntmachung wegen Gründung einer Realſchule“(abgedruckt bei Diehl I, 342 ff.). Darin heißt es:„Mehr als die Hälfte derjenigen jungenLeute, welche bisher unſer akademiſches Pädagogium frequentiert haben, ſind nicht zum Studieren, ſondern zu andern honetten Lebensarten, zur Kaufmannſchaft, zum Militäre, zur Oekonomie, zu allerley Künften und Profefſionen beſftimmt. Sie durchlaufen nur die Klafſen, nicht um Gelehrſamkeit zu ſamlen, ſondern um ſich zu ihren künftigen Geſchäften habil zu machen, und in denjenigen ſchönen Kiinften und Wilſenſchaften, die ſie als civiliſirte Leute nicht bey Seite ſetzen können, ſo viel zu perfektionnieren, als ihnen nötig iſt, um in der Welt fortzukommen. Sobald ſie confirmirt ſind, werden ſie mehrentheils aus dem Pädagog wieder zurückgenommen, und ihrer näheren Beftimmung entgegen gefürt“. Unter den zu lehrenden Fächern foll übrigens auch Latein fein,„loviel man in der Haushaltung braucht“. Die Ausführung des Planes, ja ſchon ſeine Bekanntmachung wurde durch den Senat der Univerſität verhindert, wohl deshalb, weil man eine Schädigung des Pädagogs davon befürchtete. Dieſes lollte aber ſo eingerichtet werden, daß es auch Schülern, die eine„Realſchulbildung“ anftrebten, Genüge leilten konnte.


