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Gebrauch neben der alten Poetik Bachmanns von dem damaligen Pädagogpräzeptor Hermann Benner ein„Auszug aus den belten lateiniſchen Poeten als Originalien des feinen Gelchmacks“ hergeltellt. Dieſe„Carmina selecta“ erſchienen 1728 und wurden von da an als Schulbuch im Pädagogium benutzt. Damit fand u. a. auch Horaz Aufnahme in die lateiniſche Lektüre; Vergil und Ovid waren nun nicht mehr alleinherrichend.
Daß das Gießener Pädagogium nach dielen Reformen wieder zu Anſehen gekommen war, beweilt die Tatſache, daß im Jahre 1729 der Magiſtrat der freien Reichsſtadt Worms an May,„deſlen Erudition und Klugheit im Dirigieren des hefſilchen Schulweſens“ ihm gerühmt worden ſei, das Erſuchen richtete, auf des Rats Kolten ſich nach Worms zu verfügen, um das in Unordnung geratene Gymnaſium zu Worms näher einzuſehen und Vorſchläge zu ſeiner Verbefſerung zu machen.: May vilitierte das Wormler Gymnaſium am 6.—8. September 1729 und reichte am 14. September einen Bericht und Ver- beſſerungsvorſchläge ein, die in den am 16. September vom Rat veröffentlichten„leges Gymnasii Wormatienses“ meilt wörtlich abgedruckt lind.
Weiter geführt wurde die zeitgemäße Erneuer-
Erneute ung der Lehrbücher unter dem Pädagogiarchen der Orinee llermann Benner, dec nach der kurzen Amtszeit
doxie im ¹s. johann Chriltoph Eberweins(1732—1734) falt
Jahrhundert.
H. Benner. 50 Jahre lang(1734—1783) das Gießener Päda-
. gogium leitete. Er war 1699 als Sohn eines Bäckers in Gießen geboren und hatte hier das Pädagogium und die Univerſität beſucht. Schon von 1722 an war er
1 Adalbert Becker,„Beiträge zur Geſchichte der Frei- und Reichs- ſtadt Worms und der daſelbſt feit 1527 errichteten höheren Schulen“, Worms 1888, S. 226.— May war damals nach ſeiner Unterſchrift: „an der hochfürſtlichen Univerlität zu Gießen profeſſor ordinarius antiquitatum, litteraturae Graecae, linguarum orientalium wie auch Pädagogiarcha daſelbſt und der ſämtlichen lateiniſchen Schulen des Oberfürftenthnumbs Heſſen Viſitator generalis“.— Ueber die von ihm verfaßten Schulgeſetze, die man wohl auch für die damals am Gießener Pädagog geltenden Ordnungen als Quelle verwenden darf, vgl. Becker II, S. 227— 235.— Deſſen Frequenz muß übrigens damals ſehr gering geweſen ſein. Nach einem in der Gymnaſialbibliothek aufbewahrten handſchriftlichen Verzeichnis betrug ſie 1732 nur 45 Schüler, davon 30 aus Gießen, 15 aus der Umgegend. 16(im Alter von 14— 19 Jahren) gehören der Prima an, 14(von 12— 18 ½ Jahren) der Sekunda, 15(von 13—16 Jahren) der Tertia. Eine Quarta hat damals nicht beſtanden.


