greifende Aenderungen an dieſem. Deutlich tritt dabei der Einfluß der pietilftilchen Pädagogik hervor, wie ſie ſich in vorbildlicher Weiſe in den Schriften Auguſt Hermann Franckes und in den von ihm geſchaffenen grobßartigen Schuleinrichtungen des Halleſchen Waiſenhauſes darftellte.
Gegen Ende des Direktorats des älteren May war wohl ein gewiller Niedergang der Schule eingetreten geweſen. In einem Vilitationsbericht von 1715 wird darüber geklagt, „daß Pädagogia und Trivialſchulen dermaßen ſchlecht ver- ſehen, daß die aus denſelben ankommenden Studioli gar keine fundamenta in latinitate noch übrigen philosophiae partibus mitbrächten“.“ Im jahre 1720 erſchien dann eine von der Regierung erlaſſene„General- und Hauptverordnung“ zur Verbeſſerung der Univerſitätseinrichtungen, die auch Anweiſungen für eine Pädagogreform enthielt. Darin wird u. a. die rapide Abnahme des Intereſſes der Studierenden für die philolophiſchen Disziplinen darauf zurückgeführt, daß die Philolophie z. B. die Logik„nach der alten Leyer, welche nichts iſt alß ein Begriff unnüzer ſcholaftiſcher Grillen, traktiret wird. Das wird in Schulen mit Schlägen gefalſſet undt wann nachgehendts die Leuthe mercken, daß weder in vita civili noch ſonſten dergleichen Grillen pedantereyen ihnen was nutz, ſondern ſie müſſen das ein- geſchlagene wieder mit Fleiß vergeſſen, Io wird ihr Gemüth mit Eckel dargegen erfüllet“. Die Logik, die ſchon ein reiferes Urteil vorausſetzt, dürfe nicht ſo früh behandelt werden; ftatt deſlen müßten Gelſchichte, Anfangsgründe der Geographie und Geometrie und Redeübungen eintreten. Das ilt ganz im Sinne der pietiftiſchen Pädagogik, die auf das Nützliche und praktilch Verwendbare einen Hauptwert legte— darin der Aufklärungspädagogik verwandt.
Unter dem jüngeren May wurden auch mehrere neue Lehrbücher eingeführt. So 1723 für den Lateinunterricht die ſog.„Teutſche hallilche Grammatik“ daneben der„liber memorialis Latinitatis“ des Cellarius.: Auch wurde zum
¹ Diehl II, 106 ff., wo lich auch die Belege für das Folgende finden.
² Beide Bücher waren von pietiſtiſchen Pädagogen verfaßt, die genannte Grammatik von jJoachim Lange. Sie war 1705 zum erfſten Mal(im Verlage des Waiſenhauſes zu Halle) erſchienen unter dem Titel„Verbeſſerte und erleichterte Grammatik“. Am Gießener Pädagog wurde ſie bis zur Wende des 18. und 19. Jahrhunderts gebraucht, ſeit 1773 in einer Neubearbeitung durch den Pädagoglehrer Franz Rambach. Vgl. Diehl II, 312.


