Aufsatz 
Geschichte des Landgraf-Ludwigs-Gymnasiums zu Giessen / von August Messer
Entstehung
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Zahl der Lehrer wurde auf 5 erhöht und die 4 Klaſſen ſtatt in 2 wieder in 3 Abteilungen zerlegt, lo daß nur Quarta und Tertia kombiniert blieben und Prima und Sekunda wieder getrennt unterrichtet werden konnten.

Auch ſonſt wurde damals manches neu geltaltet. Ein beſonderer Geſchichtsunterricht, der bis dahin nur in Privat- ſtunden erteilt worden war, wurde mit je einer Stunde in Sekunda und Prima eingerichtet; auch wurden Lehrbücher des großen Pädagogen Comenius eingeführt. Gedanken des Comenius begegnen auch in dem 1669 verfaßten Bedenken der philolfophiſchen Fakultät in Gießen über die Reform des Gießener Pädagogs. Hierin wurden auch die Anforderungen für die Aufnahme in die einzelnen Klaſſen und für die Exemtion genauer feſtgelegt. Zur Aufnahme in die unterſte Klaſſe z. B. wird gefordert, daß der Knabe1) Ver- ſtene Lutheri Catechismum teutlch und etwas lateiniſch. 2) Perfekt Ichreiben kann, ein exercitium zu exzipiren, 3) Perfekt regulariter et ordinarie decliniren et conjugiren beneben ſeiner kleinen Nomenclatur. Kan er aber mehr aus der Statt- oder Land-Schul bringen, ſo kompt er deſto höher. Für die Exemtion werden gefordert die Fundamente der Theologie und Logik, die Fähigkeit ſich im Lateiniſchen fehlerfrei mündlich und ſchriftlich auszudrücken, auchein fein und zimlich Carmen zu ſchreiben, Verſtändnis des griechiſchen Textes des Neuen Teſtaments und eine elementare Kenntnis der griechiſchen Verslehre; in der Mathematik endlichnebens den vier speciebus Arithmeticis, zum wenigſten generalissima Praeceptorum cognitio. Alle dieſe Anforderungen dürften wohl auch ſchon in der erſten Zeit des Pädagogiums tatſächlich an die zu Eximierenden geltellt worden ſein. Hier hat ſich alſo nichts geändert; was aber in dem neuen Unterrichtsfach, der Gelſchichte, verlangt wird, das iſt noch ſehr beſcheiden:In Hiſtoricis: daß er mehr mit einer guten Manduktion und Luſt, ſolch Studieren zu tractiren, als mit der Wiſſenſchaft ſelbſten, lo eine große Zeit erfordert, verſehen und ausgerichtet ſey. Ein Anfang darin zu machen, kan hir gnug ſein.

Der Profeſſor KiliansjſRudrauff,2 der der eigentliche

35 Verfaſſer des Bedenkens von 1669 war, wurde im nächſten

Es iſt abgedruckt bei Diehl I, 153 ff; vgl. dazu auch II, 80 ff. und 260 ff.

Er war urſprünglich Pädagoglehrer(praeceptor classicus),wurde dann Profeſſor der Moral, hierauf dei Logik und Metaphylſik und