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Kaiſer durch die Siege Tillys über ſeine Gegner in die Lage verſetazt worden, ſeinem getreuen Anhänger Ludwig von Darmftadt die Marburger Erbſchaft zuzuſprechen. jetzt, am Ausgang des 30jährigen Krieges ſtanden Schweden und Franzoſen als Sieger da, und nun erntete Heffen-Kalfel, das treulich zu ihnen gehalten hatte, den Lohn ſeiner Politik. Der Vergleich zwilchen den beiden hefſiſchen Linien von 1649 brachte Marburg wieder in den Beſitz von Hefſen- Kaſſel. Da die Anfangs in Ausſicht genommene gemeinſame Verwaltung der Univerſität ſich nicht durchführen ließ, lo wurde am 5. Mai 1650 die Gießener Univerſität wieder eröffnet und damit auch zugleich das pädagogium academicum.
Obwohl die Statuten von 1629 fünf Lehrer neben
uEntwick- dem Pädagogiarchen und drei räumlich getrenite un. 1.„ 3 mweiten Abteilungen von Schülern vorfahen, begnügte man
nante des lich mit vier Präzeptoren und zwei Räumen, in
nunderts. denen je 2 Klalſen unterrichtet wurden. Geld-
mangel machte das notwendig, aber es war ein lchwerer Mißſtand. Wir begreifen es wohl, wenn der Pädagogiarch Kaſpar Ebeli im Jahre 1655 bewegliche Klage darüber führt, daß Prima und Sekunda ftändig kombiniert ſeien und daß man dadurch gezwungen ſei,„90 Schüler, die in Catecheſi, Logicis und Rhetoricis faft allezeit vier-, fünf- oder wohl ſechſerley lectiones haben“, in demfelben Zimmer in denſelben Stunden zuſammen zu unterrichten.
Erſt im Jahre 1668 unter dem Pädagogiarchen Nikolaus Mislerz wurde dieler Klage Rechnung getragen. Die
¹ Er leitete die Anftalt von 1650— 1661. Er war ein angeſehener Lrofeffor der Logik und hat ein viel gebrauchtes logiſches Compendium geſchrieben, das die Logica Dieterichs am Gießener Pädagog verdrängte und dafelbſt bis ins 18. Jahrhundert hinein benutzt wurde.(Vgl. l)iehl II, 245). Ueber einen ſchweren Konflikt, den er mit ſeinem Schwiegerfohn, dem Pädagoglehrer Orth hatte, berichtet der ſchon erwähnte Magiſter Franz Rambach(Vgl. Ludwig Schädel, Beiträge, S. 3). Dort finden ſich S. 21 auch einige Angaben über die Frequenz des Pädagogiums im 17. und 18. Jahrhundert. In dieſem Zuſammenhang ſei auch hingewieſen auf die Abhandlung von W. Diehl,„Die Abi- turientenliften der heffilchen Pädagogien aus der Zeit von 1666— 1700 und die Gießener Univerfitätsmatrikel“ in»Beiträge zur hefſiſchen Schul- und Univerſitätsgeſchichte« herausgegeben von W. Diehl und A. Mefſfer, Band I, Heft 2(Gießen 1907), wo auch S. 142 ff. ein Namensverzeichnis der Abiturienten ſdess Gießener Pädagogiums in den Jahren 1666—1700 mitgeteilt iſt.
² Er war Profeſſor der Theologie und leitete das Pädagog von 1661— 1670.—


