Aufsatz 
Geschichte des Landgraf-Ludwigs-Gymnasiums zu Giessen / von August Messer
Entstehung
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Von den 60 Schülern, die 1627 das Gießener Pädagog beſuchten, waren 1629 nur noch 11 übrig. So wurde denn im Oktober 1629 eine neue Schulordnung erlafſen, die für die Schule den Zuftand der Zeit vor 1605 zurückführte, ſie allo wiederin den Stand einer gemeinen Trivialſchul redigierte.¹ Das Gießener Gymnalſium lebte währenddeffen gewiſſer- maßen fort in dem Marburger Pädagogium; denn der Profeflor Balthaſar Mentzer, der ſchon 1605 von Marburg nach Gießen gekommen war und bei der Einrichtung der Univerſität her- vorragend mitgewirkt hatte, war mit der Reorganilation des Marburger Pädagogs betraut worden und er war bei ſeiner Tätigkeit darauf bedacht, den pädagogiſchen Ertrag der Gießener Zeit, insbeſondere die methodilchen Anſichten Helwigs, nicht verloren gehen zu laſſen. Auf ihn geht hauptlſächlich die einen Teil der Statuten von 1629 bildende Marburger Pädagogordnung, die wir ſchon früher unferer Darftellung der Organilation zu Grunde gelegt haben. Sie bildete auch G Nor das 1629 in Darmfitadt begründete Pädagogium, aua ſie wa überhaupt für das höhere Schul- weſen Helſens mehr als 100 Jahre im Weſentlichen maß- gebend. Pädagogiarch war während der ganzen Marburger Zeit von 1625 bis 1649 Johann Heinrich Tonlor, der von 1620 32 Profeflor der Phyſik, von da ab Profellor der Theologie war. ² Die Gießener Stadtſchule, die nach dem Eingehen des Pädagogs die einzige Latein lehrende Schule in Gießen war, hat die Drangſale des 30jährigen Kriegs, die dem Darmſtädter Pädagogium beinahe den Untergang gebracht hätten, verhältnismäßig gut überſtanden. Ein Beweis dafür ilt, daß der Gießener Superintendent Peter Haberkorn 1644 an den Landgrafen mit dem Erluchen herantrat, dieler Schule, die damals 250 Schüler zählte, das Exemtionsrecht zu erteilen. Freilich blieb dieſes Geluch wegen des Ein- ſpruchs, den die Mar' urger Profelſoren im Intereſſe ihres Pädagogs dagegen erhoben, erfolglos. Aber einige leRückvere Jahre Ipäter lollte Gießen lein Pädagogium wieder Gieben. erhalten. Bedingt war dies durch den Gang der europäiſchen Politik. Im jJahre 1623 war der

1 Die Schulordnungen von 1627 und 1629 ſind abgedruckt bei Diehl I, 22 ff. und 47 ff. Der 2. Pädagogiarch Chriſtoph Scheibler war ſchon 1625 einem Ruf als Superintendent und Gymnaſialdirektor nach Dortmund gefolgt.

² Vgl. Diehl II, 244.