Aufsatz 
Geschichte des Landgraf-Ludwigs-Gymnasiums zu Giessen / von August Messer
Entstehung
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Jahre gute Früchte getragen haben. Jedoch wurden auch Klagen laut, das Memorieren werde allzu ſehr vernachläfſigt. Vor allem mangelte es an geeigneten Lehrern, die Helwigs Werk fortgeſetzt hätten. Ja, die neue Methode erregte bei manchen Lehrern Verdruß, weil ſie höhere Anforderungen an ihre Tätigkeit ſtellte.¹

Einige Jahre nach Helwigs Tod traten übrigens abe oun politilche Ereignilſe ein, die der Exiftenz des Kätnnaen Gießener Pädagogiums vorläufig ein Ende

machten. Ludwig von Marburg hatte, wie ſchon oben erwähnt wurde, in ſeinem Teſtament bei Verlulft des Erb- teils alle Religionsänderungen unterſagt. Moritz hatte ſolche gleichwohl vorgenommen. Infolge deſſen hatte Ludwig von Helſen-Darmftadt Anſpruch auf die ganze Marburger Erbſchaft erhoben. Der Prozeß war ſeit Jahren anhängig. Enqdlich, am 1. April 1623 fällte der Kaiſer das Endurteil. Es ent- ſchied, daß Moritz durch Einführung derVerbeſſerungs- punkte von 1605 dem Teftamente zuwidergehandelt habe; er gehe darum des Marburger Erbes verluftig und dieſes falle an Heſſen-Darmftadt. Die helſſiſche Univerſität ſolle der gemeinſamen Verwaltung der beiden Fürften unterſtehen. jetzt trat der Revers in Kraft, den der Landgraf von Heſſen-Darmſtadt am 8. Mai 1607 in Prag ausgeſtellt hatte, wonach bei Wiederherſtellung der gemeinlamen Verwaltung der Univerſität Marburg und nach Beſeitigung der religiölen Neuerungen die Gießener Univerſität wieder eingehen ſolle. So wurde denn am 26. Mai 1624 ihre Suſpenſion ausgeſprochen. Das Pädagogium ſollte aber beltehen bleiben und auch weiterhin eine Vorbereitungsanſtalt für die Univerſität dar- ſtellen.

Aber dielſer Plan ließ ſich nicht durchführen, teils weil das Geld fehlte, teils weil die Marburger Profefloren diele Konkurrenz mit ihrem Pädagogium nicht haben wollten. So wurde denn nach langen Verhandlungen mit dem Gießener Rat das Pädagogium mit der lateiniſchen Stadt- ſchule 1627 vereinigt. Aber da dieſe Schule, die ein Mittel- ding zwiſchen Pädagogium und Trivialſchule lein ſollte, das Exemtionsrecht nicht beſaß, ſo zogen es manche Eltern vor, ihre Söhne lieber ins Marburger Pädagogium zu ſchicken.

1 Auch hören wir, daß bei Einführung der neuen Methode der Privatunterricht abgeſchafft worden ſei, weshalb die Präzeptoren über die Schmälerung ihrer Einkünfte klagten. Feſtſchrift I, 173.