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So wurden denn vielfach Klagen laut über die ganz unzulängliche Vorbildung von Studenten und darum ergingen immer wieder Verordnungen von ſeiten der Regierung, es mit der vorgeſchriebenen Prüfung ſtrenge zu nehmen.¹ Erft die Einführung der in ihren Grundzügen noch heute gelten- den Maturitätsordnung durch Verordnung vom 1. Oktober 1832 hat hier durchgreifenden Wandel gelchaffen. ²
Die bisher geſchilderten Einrichtungen bildeten
Halaigs gerade keine Belonderheit des Gießener Päda- ogilcene gogiums, ſie beſtanden im weſentlichen ſo auch aiten- an anderen proteftantiſchen Hochlchulen. Aber wie überhaupt die Gießener Univerſität in deim
erlten Dezennium ihres Beſtehens ihre Glanzzeit erlebte, Io war ſie auch der Sitz einer bedeutlamen pädagogiſchen Reformbewegung. Ihr Hauptvertreter war hier der Profeſſor Chriltoph Helwig.3 Er war 1581 als Sohn eines Pfarrers in Sprendlingen in Starkenburg geboren. Zunächſt wurde er zuhauſe vom Vater, dann in Frankfurt unterrichtet. Schon mit 13 Jahren bezieht der frühreife Knabe die Univerlität Marburg und mit 14 Jahren erwirbt er das Baccalaureat. Be- reits damals dichtete er eine lateiniſche Komödie, im 15. Jahr eine griechilche. Das Sonntags-Evangelium pflegte er zu ſeiner Uebung ins Hebräiſche zu überſetzen. Im Jahre 1599 wurde er Magiſter, wobei er unter 22 Prüflingen die erfte Stelle erhielt. Er war dann als Lehrer in den Sprachen und in den philoſophiſchen Disziplinen an der Marburger Univerſität tätig, von der er zugleich ein Stipendium majus bezog.B Bei der Gründung der Univerſität zu Gießen erhielt er an ihr eine ordentliche Profeſſur für die griechilche und
1 Schädel, Beiträge 5, 7 ff., 12 f., 20.
2 Vgl. B. Linde,„Ueberſicht des geſamten Unterrichtsweſens im Großherzogtum Helſſen, beſonders ſeit dem Jahre 1827“, Gießen 1839, S. 248 ff.
3 Die neuelte und vollſtändigſte Darſtellung ſeiner päclagogiſchen Wirklamkeit bietet Herman Siebeck,„Chriſtoph Helwig(Helvicus) als Didaktiker(1605— 1617)“ in der Feftſchrift II, 293— 328. Hier finden ſich auch die Belege für die folgenden Angaben.
4 Seine Stellung läßt ſich mit der unſerer heutigen Repetenten vergleichen. Ueber das Stipendienwelen iſt zu vergleichen: W. Diehl, „Geſchichte der Gießener Stipendiatenanftalt“, Feſtſchrift II, 1— 132 (über Helwig daſelbft S. 6 und öfters); und das von demſelben Verfaſſer zuſammengeſtellte„Stipendiatenbuch der heſſen-darmſtädtilchen Uni- verlitäten Gießen und Marburg für die Zeit von 1605—1774“, Hirſch- horn 1907.


