Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte des Großh. Gymnasiums zu Gießen für die Dreijahrhundertfeier am 10. Oktober 1905 auf Grund von Mag. Franz Rambachs Sammlungen / bearb. und hrsg. von Ludwig Schädel
Entstehung
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man ſich dabei zu verhalten, mit angefügter Declaration, daß ſie ihres Orts dem Paedagogio nichts vergeben oder praeiudicir. könten. Dieſer legte die Sache dem Senat ad votandum vor, ſo, daß er ſelbſt zugleich urtheilte, ihm ſey nicht anders wiſſend, als daß das paedagogium, als ein annexum corporis academici, allezeit den studiosis immediate nachgefolgt und ſolcher observanz ſcheine auch ietzt zu inhaerier. Hiermit ſtimt. alle vota überein und war ſonderlich folgendes ſehr merck⸗ würdig.

(Es folgt das votum des Prof. Rüdiger, das recht intereſſant iſt, wofür wir aber hier keinen Raum haben.)

2) bei unſern öffentlichen Confirmationen haben ſie den Rang nicht nur vor allen privat ſondern auch öffentlich. Schulen im lande daher auch der vornehmſt. leute Kinder ¹), die nicht ad corpus paedagogicum gehören nach uralter observanz, unter ihnen ſtehen müſſen.

3) weil das paedagogium eine akademiſche Schule iſt, gehören ſie ſämtlich zur Akademie. Daher dann auch dem Geringſten unter ihnen, bei ſeiner Leiche, die Uni⸗ verſitäts Glocke neben dem Todengeleut mit der groſen Glocke, die ſie frey haben, mit angezogen wird. 4₰) die paedagogici, die ihre Zeit ausgehalt., werden unmittelbar auf die Univerſität transferirt, sine praevio examine, welchem nach dem Statut alle andre Schüler aus privat u. andren Schulen, in Gegenwart des Rectoris magnifici, des Pädagogiarch. und Decani facultatis philosophicae, ſich unterziehen müſſ., ehe ſie immatriculirt werd.

5) Allen paedagogicis iſt erlaubt auf dem collegio bei disputationibus u. actibus solennibus zu erſchein. u. ſind ſonſt dahin deducirt word.

6) Wenn ſich bei einem paedagogico eine gantz beſondre Fähigkeit zu Sprach., zur Poeſie oder einer modernen(ſchwerlich zu leſen: andern) Wiſſenſchaft findet, ſoll er nach den Statuten dem Furſten bekant gemacht werden um ihn in gnädig. Andencken zu haben und durch Verſprechung gewiſſer Beförderung zu einem Amt, wozu er ſich vor⸗ züglich geſchickt gemacht, ihn mehr aufzumuntern.

7) Es hat das paedagogium ſeit mehr als einem seculo per ipsa statuta dieſes als ein beſonderes und zu ſeinem aufnehmen geſtiftetes privilegium, daß die alumni, wenigſtens primae classis, zu vacanten stipendiis praesentirt werden und dieſelben undiſputirlich genieſen ſollen.

(Statut. tit. 108 praesentati examinantur ab Ephoro adhibitis etiam exa- minatoribus, si circumstantiae requirant, argumentum latinum et graecum iis prae- legatur. Dandum tamen est aliquid iniuriae huius temporis, donec scholae terri- torii nostri maiora incrementa capiant.).

Dieſes wol hergebrachte, ſo wol den praesentatoribus stipendiorum compe- tirende als der weiſen Verfaſſung des paedagogii anklebende ius u. beneficium iſt auch durch eine perpetuirliche observanz bis auf d. heutig. Tag in ſeiner kraft exer- citio nunquam interrupto geblieben.

Doch war 1726 und abermal 1744 dieſes beneficium ihm entzog. u. verordnet künftighin kein. paedagogicum, ſo lang derſelbe noch die Schule frequentire an den

¹) Wofür die in der Univerſ.⸗Regiſtratur bewahrten trümmerhaften Pädagog⸗Akten konkrete Fälle enthalten.